Auf der Farm
19:02 Uhr
Nach dem West Coast Trail genossen wir ein paar erholsame Tage in Telegraph Cove im Norden von Vancouver Island. Das ruhige 5-Seelen-Dörfchen mitten in der Wildnis war perfekt um unseren Muskelkater auszukurieren. Danach nahmen wir die Fähre zurück nach Vancouver und machten uns auf den Weg nach Kelowna, wo wir unsere Containerpartner Michi und Käthi Renold auf der Koester-Farm besuchten.
Seit anfangs August arbeiten Michi und Käthi auf der Farm, die von Eva und Clemens (Mutter und Sohn), zwei ausgewanderten Schweizern geleitet wird. Sie machten es sich zur Lebensaufgabe, Kinder, die von ihren Eltern misshandelt wurden, aufzunehmen. Zur Zeit leben fünf Kinder auf der Farm, zwei schwer behinderte Knaben, die im Babyalter geschüttelt und geschlagen wurden und ein
Mädchen, das schwere Schäden davontrug, da ihre Mutter Alkohol- und Drogenabhängig war. Käthi arbeitet hauptsächlich mit den Kindern zusammen und hilft im Haushalt mit, während Michi als Farmer draussen bei den Tieren ist.
Da wir nur für kurze Zeit mithalfen und eine Einführung in die persönlichen Bedürfnisse der Kinder zu lange gedauert hätte, wurden wir draussen auf der Farm eingeteilt. Nun hiess es um 7:00 Uhr Tagwach, Frühstück und dann alle Tiere, d.h. 4 Pferde, 2 Ponys, 6 Hunde, ca. 600 Hühner, 400 Küken, 2 Lamas, 4 Alpakas, 40 Schafe, 2 Ziegen, ein Bock, Katzen und ungefähr 8 Gänse füttern und misten. Sobald alle Tiere versorgt waren, hatten wir Zeit anstehende Projekte rund ums Haus zu erledigen.
Während zwei Tagen lackierten wir das Log-Haus, um es für den Winter wetterfest zu machen. Jeweils vor dem Mittag sammelten wir alle Eier in den 6 Hühnerställen ein und putzten sie. Schon am ersten Tag gelang es mir zwei Eier beim Putzen zu zerdrücken. Ich hab's wahrscheinlich einfach zu genau genommen. Nach dem Mittagessen verpackten wir die Eier und machten sie für den Verkauf bereit. Am Nachmittag lackierten wir nochmals fröhlich drauflos, mir lautstarker Musik und direkt an der warmen Sonne war das ganz friedlich. Am Abend erwartete mich dann wieder meine Lieblingsaufgabe, Tiere füttern. Zugegeben, ich beobachte vor allem grössere Tiere lieber in der freien Natur, als dass ich sie selber füttern muss. Als mich dann noch ein Lama von hinten attakierte und dreimal angespuckte, begann ich die Fütterei geschickt zu umgehen, indem ich die Eierkontrolle in den Hühnerställen übernahm.
Wir gewöhnten uns schnell an das spannende und abwechslungsreiche Leben auf der Farm und die Kinder, jedes einzelne mit seinem tragischen Erlebnis wuchs uns richtig ans Herz. Wir sind dankbar, dass wir einen Einblick ins Leben auf der Koester-Farm erhalten und mithelften durften. Von Käthi und Michi haben wir uns einmal vorübergehend verabschiedet, wir sind uns sicher, dass wir uns irgendwo in Mittelamerika wieder treffen werden.
Reaktionen
19:55 Uhr
Weiterhin viel Spass! Ihr erlebt ja spannende Tage.
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