Cordillera Blanca
11:08 Uhr
In knapp drei Stunden haben wir mehr als 4000 Höhenmeter zurückgelegt. Die Strasse von Barranca nach Pampas Chico schlängelte sich nur so aufs Andenplateau hoch und unser Trudi rauchte und schwitzte wie verrückt. Wir waren in der Cordillera Blanca angekommen, neben dem Himalaya die zweithöchste Gebirgskette der Welt! Und dies war genau was wir brauchten, raus aus der Stadt Lima, rein in die wunderschöne Bergwelt.
Da wir nach diesem schnellen Anstieg ein wenig beduselt unser z'Mittag assen, entschieden wir nach Huaraz, auf 3000m.ü.M. runter zu gehen, um uns für ein paar Tage anzuklimatisieren.
Unser eigentliches Ziel war danach das Klettergebiet Hatun Machay in der Cordillera Negra. Der Steinwald auf rund 4300m.ü.M. ist eine der beeindruckendsten geologischen Attraktionen der Region. Die archeologischen Funde rund um das Gebiet zeigen deutlich, dass die mystischen Felsformationen schon seit tausenden von Jahren die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich gezogen hat. Und für uns war der schöne Ort noch zusätzlich das perfekte Klettergebiet.
Als wir im Refugio nach dreissigminütiger Holperstrasse ankamen, begrüssten uns zwei Argentinier, welche als Hüttenwarte aushalfen. Da wir die Höhe auch hier bei jeder Anstrengung merkten, entschieden wir uns für einen gemütlicheren Nachmittag zusammen mit dem Pärchen. Für die nächsten drei Tage waren wir mit Klettern beschäftigt, da das Gebiet einfach riesig ist. Und wir hatten das beste Klettergebiet von Peru mit über 120 Sportrouten zu allem noch für uns ganz alleine.
In der Zwischenzeit hatte uns das argentinische Pärchen verlassen und so verbrachten wir die Abende jeweils zusammen mit Armando, dem Hüttenwart aus Huaraz. Das Refugio war schlicht und einfach aufgebaut, ohne Strom aber mit fliessend Wasser, dass sogar sauber genug zum Trinken war. Und weil die Temperaturen über Nacht knapp unter den Gefrierpunkt sanken, genossen wir am Abend jeweils den warmen Holzofen, bevors dann ins kalte Trudi zum Schlafen ging. Am dritten Tag musste uns Armando verlassen, da seine Mutter gesundheitliche Probleme hatte. So wurden wir für eine Nacht kurzerhand vom Touristen zum Hüttenwart befördert.
Die Zeit in Hatun Machay war wirklich hervorragend aber wir wollten auch noch einige Tageswanderungen in der berühmten Cordillera Blanca machen. Von Armando erhielten wir wertvolle Tipps für weniger touristische Wege. So machten wir uns auf zu den Lagunen von Uruscocha.
Wie üblich in Peru, verfuhren wir uns wieder einmal, da wir die Abzweigung nach Quebrada Ishinca verpassten. Die freundlichen Männer am Strassenrand erklärten uns aber eifrig den Weg, alle aufs Mal. Wir stellten fest, dass die traditionellen peruanischen Frauen dabei eher verschlossener sind. Auf holpriger Piste fuhren wir hoch nach Pashpa, vorbei an wunderschönen Hochlanddörfern. Unser Fahrzeug durften wir bei einer Familie, direkt beim Beginn der Wanderung abstellen. Eine wunderschöne Blumenpracht zierte den Weg hoch zu den knallblauen Lagunen knapp unter der Schneegrenze. Die Bergkulisse war einfach gigantisch. Neben dem mayästetischen Huascarán konnten wir den ganzen Weg weitere 6000er Riesen bestaunen. Als wir von der Tageswanderung zurückkamen, wurden wir vom Arriero, dem Maultiertreiber zu einer Kartoffelsuppe eingeladen. Vor seiner einfachen Steinhütte aus konnten wir den Sonnenuntergang hinter der riesigen Bergkulisse betrachten.
Zwei Tage später wanderten wir zur bekannteren Laguna 69, die sich im Huascarán Nationalpark.befindet Da das Wetter aber nicht so mitspielte, marschierten wir zügig, ohne grössere Pausen. Bei der türkisfarbenen Laguna angekommen begann es dann richtig zu regnen, weshalb wir schnurstracks umkehrten und den Rückweg in Angriff nahmen. Müde, aber zufrieden beim Auto angekommen, wollten wir weiter nach Caraz fahren. Ein wildes Huhn mitten auf der Strasse hatte jedoch etwas dagegen. Energisches Hupen und Fuchteln mit den Händen nützte alles nichts, das Huhn bewegte sich keinen Zentimeter. Und da das Huhn nicht einfach so weggetragen werden konnte, musste ich als letzter Ausweg übers Huhn rüberfahren, vorsichtig ohne es mit den Rädern zu tuschieren. Das Huhn blieb friedlich auf der Strasse sitzen.
Mit der Fahrt durch den tiefen Cañón del Pato wieder runter zum Meer liessen wir die traumhafte Cordillera Blanca hinter uns. Wir wissen aber jetzt schon, dass wir wahrscheinlich nach unserem dreimonatigen Aufenthalt in Ecuador in die traumhafte Bergwelt von Peru zurückkehren werden.
Reaktionen
19:42 Uhr
Wahnsinn, ich will auch mit zum Wandern in die Berge! Bei Euren Bildern kriege ich ja nochmehr Reiselust, das ist grausam.
22:15 Uhr
Hi ihr lieben!!!!
Wir freuen uns, daß es euch wirklich gut geht!!!! Tolle Bilder und Eindrücke. Es ist toll mit der Trudi unterwegs zu sein, so daß ihr überall gehen könnt…grenzenlos und frei:)
Wir gewöhnen uns wieder in Haltern ein. Es ist eigentlich wie Fahrrad fahren, das verlernt man nicht. Es könnte noch ein bißchen wärmer werden aber es kommt noch:) Wir haben neue Bilder von unserer neuen Wohnung auf unserer Seite hochgeladen.
Viel viel Spaß beim Klettern und Erleben!!!!!
Ganz liebe Grüße aus Haltern
Nadège und Stefan
17:58 Uhr
Hey, das ist ja riesig was ihr alles so erlebt. ich werd direkt ein ganz kleines bisschen eifersüchtig, aber natürlich gönne ich euch eure Erlebnisse von ganzem Herzen! marian
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