Cotopaxi-Besteigung
05:30 Uhr
Rund fünf Tage liessen wir uns Zeit, um uns im Chimborazo Nationalpark anzuklimatisieren. Der Nationalpark, mit dem höchsten Berg von Ecuador, war der ideale Ort um leichte Wanderungen bis zu einer Höhe von 5300m.ü.M. zu machen, ohne dabei auf Eis und Gletscherspalten zu stossen. Die Nächte verbrachten wir im Trudi auf dem Parkplatz des ersten Refugios, auf rund 4800m.ü.M.
Trudi rauchte schon ein wenig fest, als wir den Weg hoch zum Refugio im Chimborazo Nationalpark fuhren. Aber sie meisterte die Höhe trotz der dünnen, kalten Luft ohne grössere Probleme.
Lediglich am Morgen mussten wir jeweils die Motorhaube öffnen, damit die Sonne den während der Nacht stark abgekühlten Motor aufwärmen konnte. Und nach knapp einer Stunde Wärme tanken, sprang unsere alte Dame jeweils wieder, mit ein wenig Stottern an. Im Refugio haben wir vier Amerikaner, zwei Studenten und zwei Professoren kennengelernt. Sie waren für eine Woche damit beschäftigt, im Refugio ankommende Leute auf mögliche Höhensymptome zu untersuchen. Natürlich nahmen wir am ersten Tag auch gleich an den Untersuchungen teil. Es wurden die Werte von Hämoglobin, Lungenvolumen, Blutdruck, Puls und die kognitiven Fähigkeiten gemessen. Unsere Ergebnisse waren positiv und wir waren nach den fünf Tagen Akklimatisation für unsere Tour bereit!
Den zweithöchsten Berg von Ecuador haben wir uns in den Kopf gesetzt, wir wollten den Cotopaxi, mit einer Höhe von 5897m.ü.M. besteigen. Der aktive Vulkan ist vorallem durch seine regelmässige, konische Form und dessen Eiskappe auf dem Gipfel weltweit bekannt. Aber dies war nicht der einzige Grund, weshalb uns dieser Berg so reizte. Schon in der Cordillera Blanca in Peru waren wir von den weissen Riesen fasziniert und wir wollten unbedingt auch mal ein solches Monster bezwingen. Von Martin Vils haben wir den Tipp erhalten, dass der Cotopaxi relativ einfach und ohne grosse Vorkenntnisse im Gletschereis zu bezwingen sei. Und weil wir nicht viel Erfahrung mit Pickel und Steigeisen haben, war dieser Berg genau der richtige für uns.
In Latacunga buchten wir über den Touranbieter Tovar die Besteigung des Cotopaxi. Als wir am Morgen, zu Beginn unserer Tour, unseren Führer kennenlernten, waren wir aber weniger begeistert. Nach Verlangen seines Ausweises stellten wir fest, dass unser Guide nur ein Naturführer und kein erfahrener Bergführer ist. Zusätzlich hat er auch noch nach Alk vom Vorabend gestunken. Leider waren auch keine Pickel und Steigeisen organisiert, obwohl wir extra drei Tage zuvor telefonisch zusagten. Wir waren sehr unzufrieden und verlangten sofort unser Geld zurück. Nun standen wir da, um 11 Uhr morgens auf der Strassen von Latacunga, fast eine Woche lang akklimatisiert, den Rucksack für die Tour gepackt aber ohne Bergführer.
Gegenüber auf der Strasse befindet sich die Agentur Selvanieve, bei der wir uns ebenfalls im Vornherein informiert hatten. Wir sprachen den Inhaber an, erklärten unsere aktuelle Situation und fragten, ob er uns kurzfristig einen erfahrenen Bergführer für die kommende Nacht organisieren könne. Und siehe da, nach dem dritten Telefon gab er uns das Okay. Der Führer war jedoch noch in Baños, gerade von einer Tour auf den Chimborazo zurückgekommen, sollte aber in 2-3 Stunden in Latacunga ankommen. Während der Wartezeit probierten wir unser zusätzlich benötigtes Material an. Die Agentur stellte uns Schuhe, Steigeisen, Pickel, Gamaschen etc. in einwandfreiem Zustand zur Verfügung. Und kurz nach 2 Uhr nachmittags begann unsere Tour zum Cotopaxi, trotz Allem dann doch noch.
Wir fuhren mit einem 30ig jährigen Toyota Landcruiser in den Cotopaxi Nationalpark. Die Fahrt war ein wenig rumplig und windig, da durch die vielen Löcher im alten
Auto die Luft reinströmte. Der einstündige Marsch hoch zum Refugio war bereits ein erster Test. Unsere Rucksäcke waren schwer, der Weg steil und die Luft auf 4800m.ü.M. bereits dünn. Nach einem feinen Imbiss im Refugio ging's dann aber gleich weiter, hoch auf den Gletscher, um einige Übungen mit Steigeisen und Pickel auf dem Eis zu machen. Unser erfahrener Bergführer Mitlon Muñoz machte dabei einen super Eindruck, er war top motiviert und wir fühlten uns sicher. Nach dem Nachtessen ging's dann schnell in die Federn, damit wir uns bis um 12 Uhr Mitternacht trotzdem noch einige Stunden ausruhen konnten.
Nach ein paar runtergewürgten Brötchen und einem heissen Tee machten wir uns nachts um 1 Uhr auf den Weg Richtung Gipfel. Das Wetter war sehr windig und eiskalt, aber die Nacht war sternenklar. Nach der ersten
Stunde erreichten wir den Gletscher, montierten unsere Steigeisen und seilten uns gegenseitig an. Der Weg auf dem Gletscher, vorbei an bis zu 40m tiefen Geltscherspalten und riesigen Eisskulpturen war einfach fantastisch. Das Licht des Vollmondes reflektierte auf dem Eis und es entstand eine unglaubliche Stimmung. Die Stimmung wurde noch viel unglaublicher, als wir nach mehr als 4 Stunden den letzten Anstieg sahen. Das letzte Teilstück war bis zu 55° steil, extrem lang und bei über 5700m.ü.M. ging uns regelrecht die Puste aus. Wir kämpften uns aber tapfer hoch und erreichten den Gipfel des Cotopaxi nach 5 1/2 Stunden sehr müde, aber hoch zufrieden. Leider hatte das Wetter in der letzten Viertelstunde des Aufstiegs umgeschlagen, sodass wir auf dem Gipfel den Krater leider nicht sehen konnten. Der Nebel war dicht und es begann zu schneien. Deshalb mussten wir bereits nach 20 Minuten den dreistündigen Abstieg in Angriff nehmen.
Unsere Tour auf den Cotopaxi war ein voller Erfolg und wir sind stolz auf unsere Leistung. Die Höhe machte uns sehr müde und wir sind froh, dass wir wieder auf tieferen Lagen unterwegs sind. Nun freuen wir uns sehr auf den nächsten Besuch aus der Schweiz und die bevorstehende, gemeinsame Zeit.
Reaktionen
17:10 Uhr
Hoi mitenand. Gratulierä zu derä Leischtig. Das isch jo super, dass iehr grad na untersuecht und abchecked wordä sind uf eventuelli gsundheitlichi Reaktionä uf derä Höchi. Hüt sind iehr genau 1 Jouhr fort. Iech freu mi um so meh uf die nächscht Wuchä, wo ni Eu in d`Armä
schlüssä cha. Bi mi wagger am Vorbereitä, hüt han i di letscht Impfig überchu be d`r Frau Dr. Ghioldi. En liebä Gruess und bis gli.
19:29 Uhr
Die Zeit rennt. Wow, ihr seid schon so lange weg. Immer wieder gerne lese ich eure Berichte.
Weiterhin viel Reiseglück.
19:48 Uhr
Ja Mam, du glaubsch gar nid, wia fest mir ues au freuen. Mir sin grad in Quito ahcho und hen euers Hotel uschecked. De Parkplatz hen mir grad um de Ecke gfunde. Also bis naechst Wuche :-) Gruass m&m’s
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