Königspinguine, Südgeorgien
 
 
 
Landesflagge

Der perfekte Trip zum weissen Kontinent

 
Dienstag, 22. Februar 2011
19:33 Uhr
Eisformationen

Die Antarktis wird oft auch das letzte Paradies der Erde genannt und das mit gutem Recht. Während neunzehn Tagen tauchten wir in die Einsamkeit des südlichen Ozeans ein und erlebten dabei eine Schönheit der Natur wie sonst nirgendwo. Ein grosser, lang ersehnter Traum ging gegen Ende unserer Reise noch in Erfüllung.

Falklandinseln

Sonnige Seetage Wir verbrachten einen ganzen Tag auf See, um unsere erste Destination, die Falklandinseln, zu erreichen. Dies war gerade eine gute Möglichkeit, um mit unserem Schiff, der Marina Svetaeva und den über 100 Passagieren und Mitarbeitern vertraut zu werden. Das Expeditionsteam aus Kanada, USA und England bestand aus zwei Teamführern, Biologen, Naturführern, einem Historiker und zwei profesionellen Fotografen. Während den Tagen auf See hatten wir die Möglichkeit interessante Präsentationen über die einzelnen Spezialgebiete zu besuchen. Wir fühlten uns in unserer Kabine von Beginn an wohl, genossen das feine Essen und freundeten uns schnell mit der jüngeren Gesellschaft an.

Typische Telefonkabine Die Falklandinseln sind britisches Überseegebiet, werden jedoch seit Jahrzehnten von Argentinien beansprucht. Der Konflikt zwischen den beiden Ländern eskalierte im Jahre 1982 und führte zum Falklandkrieg, bei dem insgesamt 900 Soldaten starben. Neben dem Besitzanspruch wird auf den Inseln auch Öl vermutet und so hat der Streit bis heute kein Ende genommen. Bei einem Ausflug ausserhalb der Hauptstadt Stanley sahen wir, dass noch heute ganze Landteile und Buchten von damals vermint sind. Zum Glück sind die dort watschelnden Pinguine zu leicht, um eine Mine auszulösen. Auf den Falklandinseln wird ausschliesslich Englisch gesprochen und der britische Einfluss war in Stanley sofort spürbar. Neben dem Linksverkehr gab es im ganzen Dorf die typisch englischen Telefonkabinen und auch Fish and Chips war natürlich im Angebot. Die Falkländer haben ihre eigene Währung, das Falkland Pfund, das direkt ans britische Pfund gebunden ist.

Ausserhalb von Stanley gibt es mehrere Einzelhöfe, aber ansonsten sind die Inseln praktisch unbewohnt. Während den Ausflügen wurden wir mehrmals auf Bauernhöfen zu englischem Tee und Kuchen eingeladen. Mittels Zodiacbooten landeten wir auf zwei verschiedenen Inseln und wanderten zu riesigen Kolonien von Felspinguinen, nestenden Albatrossen und Magellanpinguinen. Ein seltener BesucherDie Felspinguine heissen deshalb so, weil sie perfekt von einem Stein auf den anderen hüpfen können. Einen ganzen Morgen lang beobachteten wir diese lustige Pinguinart und bekamen von unserer Biologin interessante Zusatzinformationen. Nach zwei traumhaften Tagen nahmen wir Kurs nach Südgeorgien. Von Anfang an war das Wetter auf unserer Seite und so konnten wir während den Seetagen auf dem oberen Deck die Sonne geniessen und nach Walen und Delfinen Ausschau halten. Tatsächlich sahen wir mehrmals grosse Gruppen von Seiwalen an unserem Schiff vorbeiziehen. An einem Nachmittag hatte Mario sogar das Glück und erwischte den höchst selten gesichteten Brillenschweinswal mit seiner Kamera. Laut den Experten wurde diese Delfinart keine fünfzig Mal gesehen und gute Fotos existieren praktisch nicht. Was für ein Zufall, dass genau dieses seltene Tier auf unsere Speicherkarte wanderte. Egal was wir vom Schiff aus sichteten, während der gesamten Reise war Mario immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. So hatten wir Ende Reise über 4000 Bilder auf dem Laptop und mit einem davon gewann er sogar den schiffsinternen Fotowettbewerb.

 

Südgeorgien

Südgeorgien gilt als eines der wichtigsten Brutgebiete des Königspinguins. Als wir noch zuhause waren, las ich im Globetrotter Magazin einen Artikel über diese Inselgruppe. Mario der Fotograf Über zwei Seiten war eine riesige Kolonie von Königspinguinen abgebildet. Ich zeigte Mario den Artikel und der Traum, die Königspinguine von Südgeorgien zu besuchen, war geboren. Kaum zu glauben, dass wir diese unglaublich grosse Kolonie nun wirklich mit eigenen Augen sehen und bestaunen konnten. Möglichst früh fuhren wir mit den Zodiacbooten an Land von Sailsbury Plain, der zweitgrössten Königspiguinkolonie von ganz Südgeorgien. Es wird geschätzt, dass ca. 125'000 Brutpaare an diesem Ort leben. Die Zahlen sind unglaublich, aber noch viel unglaublicher war das Erlebnis, der Lärm und auch der Gestank dieser wunderschönen Pinguine. Wo das Auge hinreichte, wir sahen sie überall. Es war einfach nur grossartig!

Wettbewerbs-Bild Neben den Pinguinen sahen wir zahlreiche subantarktische Seebären und Seeelefanten. Beide wurden wegen ihres reichhaltigen Öls und Fells im 18. und anfangs 19. Jahrhunderts beinahe ausgerottet. Seit die Tiere jedoch unter Schutz stehen, haben sich besonders die Seebären erstaunlich erholt. Danach folgte die Walfängerzeit. Wir sahen insgesamt drei ehemalige Walfängerstationen entlang der Küste, wovon wir diejenige in Grytviken besuchen konnten. Unvorstellbar, dass von 1904 bis 1966 über 175'000 Wale in diesen Gebäuden getötet, gelagert und weiterverarbeitet wurden. Die Zahlen sind schockierend und es lässt sich nun leicht verstehen, warum viele Walarten heute auf der Liste der bedrohten Tierarten stehen.

Riesige KönigspinguinkolonieNach erlebnisreichen Tagen in Südgeorgien fuhren wir entlang der Küste, vorbei an Fijorden, bedeckt mit gewaltigen Gletschern, raus auf die hohe See. Mehrmals fegten die Wellen über die oberen Aussendecks hinweg und schaukelten uns am Abend in den Kabinen unsanft in den Schlaf. Bei diesem hohen Seegang erschwerte sich alles, ganz besonders beim Buffet stolperten die Leute mehrmals ineinander hinein. Die Drake Passage ist bekannt für rauhe See, doch von den Mitarbeitern erfuhren wir, dass es noch viel schlimmer hätte sein können. Nach einem kurzen Besuch bei der Forschungsstation auf den südlichen Orkneyinseln nahmen wir Kurs in Richtung antarktische Halbinsel. Das Geheimnis Antarktis kam immer näher und wir waren neugierig, es zu erfahren.

 

Antarktische Halbinsel

Die Antarktis ist der höchste, trockenste, kälteste und windigste Kontinent der Erde. Schönheit und Feindseligkeit stehen in direktem Kontrast. Eislandschaft Wir können von Glück reden, dass wir jeden Tag strahlenden Sonnenschein hatten und die Temperaturen dadurch im angenehmen Bereich lagen. Dennoch bestimmte das Wetter und vorallem der Wind unser Programm. Besonders im Weddell Meer, auf der Ostseite der antarktischen Halbinsel verunmöglichte der Wind zwei-, dreimal die Landgänge. Deshalb nahmen wir schnell Kurs in Richtung Westseite der Halbinsel, in der Hoffnung auf etwas mehr Windschutz. Wohin wir auch segelten, die Landschaft und die Tierwelt war einfach fantastisch. Jeden Tag sahen wir Wale am Schiff vorbeiziehen, an einem kam uns sogar ein ganzes Rudel Orcas entgegen. Doch die spektakulärste Walsichtung hatten wir in der Gurlache Passage, als wir springenden Buckelwalen direkt vom Bug aus zuschauen konnten. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Riesige Eisberge zogen an uns vorbei und auf den kleineren Eisblöcken sahen wir zahlreiche, faule Robben, Seeleoparden und einsame Zügelpinguine. Die Eiswelt glich einer geheimnisvollen und wunderschönen Märchenlandschaft.

Durch diese traumhafte Eislandschaft fuhren wir auch mehrmals mit den Zodiacbooten, wobei wir an einem Nachmittag einen abenteurlichen Zwischenfall mit einem Seeleoparden hatten. Praktisch alle Tiere fürchten sich vor den Seeleoparden, denn sie sind der Hauptfeind und können mit den Eisbären der Arktis gleichgestellt werden. An diesem Nachmittag kam der Seeleopard nahe ans Boot heran, tauchte unten durch und unterhielt uns eine Weile. Wir waren natürlich alle damit beschäftig, das perfekte Foto zu schiessen und ahnten nicht, dass genau dieser Seeleopard auch ins Boot hineinbeissen kann. Das Ergebnis waren zwei grosse Löcher in den Schlauchkammern des Bootes. Notfallmässig mussten wir zurück zum Schiff und in ein anderes Boot umsteigen. Wir konnten uns von dieser Aktion kaum erholen, schon sahen wir Fontänen von drei Buckelwalen. Die Tierwelt in der Antarktis kennt keine Grenzen. Eine ganze Stunde beobachteten wir die Buckelwale direkt vom kleinen Zodiacboot aus und waren einmal mehr einfach überwältigt.

Campen in der AntarktisWer denkt, dass ein Antarktisprogramm hauptsächlich auf ältere Leute zugeschnitten ist, liegt falsch. Jede Aktivität wurde den verschiedenen Altersstufen angepasst und so hatten wir an einem Abend sogar die Möglichkeit auf dem weissen Kontinent zu campieren. Ausgerüstet mit Mättchen, Schlafsack und einem wasserdichten Aussensack machten wir es uns im Schnee "bequem" und versuchten ein paar Stunden Schlaf zu finden. Ganz einfach war dies nicht, denn mal abgesehen von der Kälte, krachten vom Gletscher nebenan konstant kleinere und grössere Eisblöcke ins Meer. Doch Schlaf hin oder her, die Campingnacht unter dem klaren Sternenhimmel, zusammen mit den Pinguinen war ein tolles Erlebnis.

Das Gesehene und Erlebte in einem einzigen Bericht zusammen zu fassen, ist mir ehrlich gesagt noch nie so schwer gefallen. Die Eislandschaft, die Tierwelt und das Leben auf dem Schiff lässt sich nur schwer in Worten beschreiben. Die Reise zur Antarktis war unbeschreiblich schön und definitiv eines der grössten Erlebnisse meines Lebens. Wir sind dankbar, dass wir in dieses unberührte Paradies eintauchen konnten und hoffen, dass es noch lange erhalten bleibt.

 

 

 

Reaktionen

04. März 2011
16:29 Uhr
Hobi Ursi

wow! mich frührts, ich han müässä lachä und chan glichzitig ä chlotz im hals und chan d’tränä fascht nid zrugghaltä! där bricht, diä bilder und sicher au z’wüssä, dass iär glii,glii wider bi üs sin, sind gad überwältigend. was söll mä do na sägä...
merci, dass iär dur diä fotnä und diä usfüärlichä wort üs so an eurnä erläbnis teilha lün…

09. März 2011
09:58 Uhr
Hobi Claudia

Hoi Iähr. Hei, warum sinn diä schnusigä Pinguin uf dr Flucht? Ä sonä Stress. Ha diä Ufnahmä grad ä paarmol agluäget. Au suss, wiä immer, interessantä Bricht und wunderschüni Bilder. Cha miär guät vorschtellä, dass diä Idrück niä meh usem Hirni chünn verdrängt wärdä.
Hüt Äschermittwoch. Mels chunnt wider zur Ruäh. LG

09. März 2011
21:44 Uhr
Landolt Marianne

WOW! Was für geniale fotos!!! Aber auch das filmli mit den rasenden pingus hats mir angetan. Ich hab mich fast ein wenig in den hinteren der beiden verliebt - der watschelt fast wie ich ;-))) marian

10. März 2011
14:54 Uhr
Marion

Dankä viel mol, mir hen üs über eueri Kommentär mega gfreut. Där chlii, dick Pingu wo hinterherrennt, isch übrigens das Jungä wo überdimensional ufgfüetteret isch, damits nochhär gnuäg Kraft hät zum selber jage. Be dä Pinguin isch es eso, dass sie meistens zwei Jungi hen, aber nur eis überlebt. Es git en Wettkampf zwüsched de Jungä. Där stärcher und schneller chunt ds’Fuetter über und überlebt. Drum springt im Filmli diä abgmageret Muetter am Jungä dervo.
Das na so als Info zum Filmli ;-)

 
 

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