Der Süden Perus - Glück im Unglück
16:58 Uhr
Manchmal gibt es so Phasen auf unserer Reise, wo sich gute und schlechte Tage nur so abwechseln. Im Süden Perus hatten wir gleich zweimal Pech, einmal mit dem Wetter und das andere Mal mit dem Auto. Aber immer war auch eine riesige Portion Glück dabei. Auf dem Weg vom Norden in den Süden machten wir in der Cordillera Blanca einen längeren Halt, da wir unbedingt nochmals ins hoch gelegene Klettergebiet Hatun Machay wollten. Nach ein paar super Kletter- und Wandertagen, mit genialer Aussicht auf den riesigen Steinwald, fuhren wir weiter in den Süden. Wir legten einige Fahrtage zurück, bis wir Cusco und das heilige Tal der Inkas erreichten.
Machu Picchu
Machu Picchu, die "verlorene Stadt der Inka" ist für viele Reisende in Südamerika das Highlight schlechthin. Wir zwei haben jedoch lange hin- und her überlegt, ob wir diese unglaubliche Touristenattraktion auch mitmachen sollen. Einerseits sind die Preise in den letzten Jahren in allen Bereichen ins Unermessliche gestiegen und andererseits sind die Ruinen in der Hochsaison mit täglichen Besucherzahlen von 2500 Personen völlig überfüllt. Aguas Calientes, ein kleines Touristendörfchen, ist der Ausgangspunkt zum Machu Picchu und nur mit dem Zug oder zu Fuss erreichbar. Ganz besonders erschreckend fanden wir die Klassentrennung der Züge von Cusco nach Aguas Calientes. Ausländer dürfen aus Preisgründen nicht mehr den lokalen Zug benutzen, sondern werden in Touristenwagons zu viel höheren Preisen nach Aguas Calientes geschleust. Machu Picchu ist Perus Trophäe und alle wollen davon profitieren. Wir suchten nach Alternativlösungen und fanden tatsächlich eine preiswerte Möglichkeit, die uns auch in einem Tag nach Aguas Calientes brachte, sodass wir nicht in den völlig überteuerten Touristenzug einsteigen mussten. Zusammen mit den Einheimischen reisten wir mittels Bus und Minibus so weit wir konnten und liefen die restlichen zwei Stunden zum Ausgangspunkt der Inkastadt. Die Nacht verbrachten wir in Aguas Calientes und am anderen Morgen liefen wir noch vor Sonnenaufgang die steilen Treppen zum Eingang hoch. So konnten wir die Touristenhorden, die mit den Bussen zu den Ruinen hochfahren, umgehen.
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Und was uns dann erwartete, war absolut faszinierend. Von oben blickten wir auf die im Nebel verhangene, mystische Inkastadt runter und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Diese eindrucksvolle Festung haben die spanischen Eroberer nie entdeckt und sie wurde bis zum frühen 20. Jahrhundert völlig vergessen. Wir konnten gerade noch ein paar Fotos von den geheimnisvollen Ruinen machen, bevor der Nebel alles verdeckte und es zu regnen anfing. In kurzer Zeit waren wir klatschnass und uns blieb nichts anderes übrig, als zu warten. Den ganzen Morgen regnete es wie aus Kübeln und so suchten wir in der völlig überfüllten Cafeteria einen Unterschlupf. Und wir warteten und warteten. Insgesamt wurde unsere Geduld fast sechs Stunden getestet. Am Nachmittag um zwei Uhr hörte der Regen dann endlich auf und der Nebel lockerte sich. Für einen kurzen Moment kam sogar die Sonne raus. Der grosse Touristenansturm war in der Zwischenzeit schon wieder verschwunden, da der Zug zurück nach Cusco nicht verpasst werden durfte. So konnten wir dann doch noch unsere Postkartenfotos knipsen und uns in Ruhe und im Trockenen die ganze Festung anschauen und bestaunen.
Einbruch in Arequipa
Nach dem wirklich absolut lohnenswerten Ausflug zum Machu Picchu und einigen interessanten Tagen in der Altstadt von Cusco fuhren wir über den Altiplano nach Arequipa. Unterwegs auf der Fahrt sahen wir mit Flamingos gefüllte Lagunen und je näher wir uns der Stadt näherten, bekamen wir immer bessere Sicht auf die umliegenden, teils aktiven Vulkane. Wir verbrachten ein paar gemütliche Tage in Arequipa und lernten im Museum mehr über die von den Inkas vollzogenen Kindsopferungen in den Anden. Gerade wollten wir nach einigen Tagen Stadtleben wieder raus in die Natur, als es passierte. Unser Trudi wurde aufgebrochen und wir standen nur fünf Meter daneben! Wir brauchten unbedingt Gas für unseren Kocher und sprachen mit dem Securitas der Firma Limagas. Während dieser Zeit geschah es und obwohl der Securitas noch in Richtung Trudi schaute, hörte und sah niemand etwas. Zuerst wurde es hinten versucht, was zum guten Glück nicht klappte, denn da hätten sie den Kamera- und Laptoprucksack gefunden. Danach wurde das Schloss der Beifahrerseite gewalttätig mit dem Schraubenzieher aufgebrochen und schon waren sie drinnen. Unglaublich, wie einfach Autos zu knacken sind. Geklaut wurde dann schlussendlich das Geld aus dem Handschuhfach, das wir genau aus diesem Grund dort drin lagern. So finden sie etwas, sind zufrieden und verschwinden. Den Autoradio - Aufsatz, der ihnen einzeln gar nichts nützt, haben sie auch mitlaufen lassen. Und das war's. Glück im Unglück. Es dauerte ein paar Tage, bis wir den Überfall verdaut hatten, denn besonders die kaputten Schlösser ärgerten uns. Was den Autoradio betrifft, so vertrieben wir die kommenden Fahrtage dann einfach mit Singen.
Colca Canyon
Lange wurde darüber diskutiert, ob nun der Colca Canyon, mit seiner Tiefe von 3191m der tiefste Canyon der Welt ist oder nicht. Nun ist es klar, er ist der zweittiefste, denn der benachbarte Cotahuasi Canyon ist noch 150m tiefer. Doch, so wie wir gehört haben, soll es im Himalaya Gebirge noch eine tiefere Schlucht geben. Wie auch immer, der Colca Canyon ist auf jeden Fall mehr als doppelt so tief als der Grand Canyon in den USA. Dies wollten wir uns anschauen, denn dort soll man auch denn grössten Greifvogel der Welt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Gesicht bekommen, den Kondor. Doch als die Ticketverkäuferin uns kurz nach dem Raubüberfall für diese Attraktion auch noch einen rechten Bazen Geld abknöpfen wollte, wurde sie von uns richtig angezickt.
Die Arme war als Frustablasser gerade willkommen. Schlussendlich bezahlten wir und schauten uns das Spektakel am anderen Morgen früh an. Die Tiefen des Colca Canyons waren schwindelerregend, aber noch beeindruckender waren die riesigen Kondore. Eine ganze Familie schwebte dank den guten Aufwinden über unseren Köpfen hinweg. Ein schöner Vogel ist er eigentlich ja nicht, aber die Grösse war wirklich faszinierend. Uns erschien das Ganze wie eine Aufführung. Von acht bis zehn Uhr morgens schwebten sie durch die Lüfte und auf einmal waren sie verschwunden und somit auch der Touristenansturm. Der Parkplatz leerte sich schlagartig und auf einmal waren wir ganz alleine. Gemütlich liefen wir dann entlang der Schlucht und genossen die plötzliche Ruhe.
Treffen mit Sonja und Markus beim Titicacasee
Obwohl wir dem schweizer Pärchen, Sonja und Markus, auf unserer ganzen Reise noch nie begegnet sind, waren wir doch immer wieder in Email Kontakt mit ihnen. Da sie gerade auf dem Weg von Chile nach Peru und wir kurz vor dem Sprung nach Bolivien waren, klappte es perfekt mit einem Treffen am Titicacasee.
Nach einem gemütlichen Abend beim Pizza essen, fuhren wir am anderen Tag raus aus Puno auf ein wildes, abeglegenes Plätzchen auf einer Halbinsel, wo wir eine herriche Aussicht auf den See hatten. Der Titicacasee ist übrigens mit seinen knapp 4000 m.ü.M der höchst gelegene schiffbare See der Welt. Unter freiem Sternenhimmel kochten wir ein gutes Abendessen und wärmten uns nachher in ihrem Nisto mit Standheizung auf. Wir hatten uns Einiges zu berichten und tauschten viele, hilfreiche Informationen aus. Viel zu kurz war das gemeinsame Treffen, denn nach knapp zwei Tagen trennten sich unsere Wege auch schon wieder. Bei ihnen heisst es nun auf in den Norden und bei uns gerade das Gegenteil, ab in den Süden! Es war schön euch zu sehen und wir wünschen euch weiterhin alles Gute auf eurer Reise.
Wir machten uns am anderen Tag auf den Weg in ein neues Land mit neuen Abenteuern: Bolivien.
Reaktionen
19:06 Uhr
Liebe Marion! Danke für den super spannenden Bericht! Geniesst es in La Paz!!Wünschen Euch eine super - sichere Weiterfahrt, mit neuen Shhlössern! Herzliche Grüsse aus Argentinien, Käthi
20:45 Uhr
Merci Käthi, das Kompliment chani nur zrugg geh. Danke eu au für de interessant Rundbrief und das aktuelle Mail. Be üs gohts morn ab in Dschungel! Wüschen eu e guäti Ziit in Patagonie. Liebi Grüess us La Paz, m&m’s
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