Die magische 6 - Huayna Potosí
07:30 Uhr
Ein Berg, ein Gipfel, ein Ziel! Kaum waren wir über der Grenze von Peru nach Bolivien, trohnte er auch schon vor unseren Augen. Der Huayna Potosí liegt mit seinen 6088 m.ü.M direkt hinter der atemberaubenden Hochlandstadt La Paz, in der verschneiten Gebirgskette Cordillera Real. Und genau da wollten wir hinauf. Doch bevor wir unser Projekt in Angriff nehmen konnten, mussten wir in La Paz alles planen und organisieren.
Obwohl Sucre die offizielle Hauptstadt ist, bleibt La Paz die grösste Stadt Boliviens und ist somit auch Zentrum für Handel, Geld und Industrie. Sie zählt zu den schnellst wachsenden Grossstädten Lateinamerikas und erstreckt sich in einer Höhe von 4100 m.ü.M runter runter in den Talkessel von 3200 m.ü.M. Der unterschiedliche Wohlstand ist nirgens so extrem erkennbar wie in La Paz. Wo oben auf dem Hochplateau noch einfache Lehmziegelhäuser oder sogar nur Hüttchen stehen, werden die Bauten, je weiter man runter kommt, immer pompöser und luxuriöser. Wir schlängelten uns durch das Verkehrschaos hindurch in den Bezirk Mallasa, wo das von einem Schweizer geführte Hotel Oberland liegt. Da nisteten wir uns neben einigen anderen Fahrzeugreisenden ein und freundeten uns schnell mit dem schweizer Pärchen, Andi und Sandra an.
Andi zögerte nicht lange und schloss sich unserem Sechstausenderprojekt sofort an. Lange durften wir nun aber nicht mehr im Hotel Oberland bleiben, das nur auf 3200 m.ü.M liegt, obwohl die schweizer Küche im Restaurant, mit Spätzli, Rösti, Fondue Chinoise und sogar Zürigschnätzlets eine grosse Verlockung gewesen war. Zugegeben, an unserem ersten Abend probierten wir schon Einiges von der Speisekarte aus und am zweiten Abend kamen dann tatsächlich auch noch die Raclettepfännchen von meiner Mutter zum Einsatz. Die Queseria Suiza machte es möglich, dass wir richtig heimischen Raclettekäse schmelzen konnten. Nach diesen beiden kulinarisch abwechslungsreichen Abenden mussten wir aber so schnell wie möglich auf über 4500 m.ü.M hoch zum Akklimatisieren. Wir organisierten die Zweitagestour in La Paz bei der Agentur Alberth Bolivia Tours und erhielten wertvolle Tips, wo wir uns am besten an die Höhe anpassen könnten. Und so schlängelten wir uns nach zwei Tagen im Hotel Oberland zu viert mit den beiden Autos wieder hoch aufs Plateau, wo man eine herrliche Aussicht runter auf den Stadtkessel hat. Bei der Berghütte Huayna Potosí, die ca. zwei Stunden von La Paz enfernt auf 4730 m.ü.M liegt, durften wir unsere beiden Autos abstellen. Während fünf Tagen wanderten wir in der Umgebung und gewöhnten uns an die dünne Andenluft.
Zurück in La Paz hiess es nur noch Material anprobieren und dann konnte die Tour starten. Voll bepackt mit Schuhen, Steigeisen, Pickel und vielem mehr machten wir uns mit unseren beiden Bergführern Theo und Augustin zurück zur Berghütte Huayna Potosí. Die Beiden machten uns einen guten Eindruck und waren von Anfang an sympathisch. Von der unteren Berghütte liefen wir mit unseren schweren Rucksäcken hoch zur zweiten Hütte, die auf 5130 m.ü.M liegt. Oben angekommen, freuten wir uns auf das warme Mittagessen, Reis und Hühnchen vom lokalen Markt in La Paz. "Na wenn das nur gut kommt", dachten wir. Bolivien ist berühmt für Magenprobleme. Doch weder die Höhe noch das Essen bereitete uns irgendwelche Schwierigkeiten. Wir fühlten uns wohl und waren voll motiviert für die Besteigung in der kommenden Nacht. Den Rest des Nachmittags verbrachten wir mit Erholen und nach dem Abendessen hiess es auch schon um sieben Uhr: "Gute Nacht."
Doch die Blase drückte immer wieder und angenehm warm war es auf über fünftausend dann doch auch nicht. So wurden die paar Stündchen Schlaf ein paar Mal unterbrochen. Trotzdem fühlten wir uns um Mitternacht angenehm erholt, würgten ein paar Brötchen runter und nahmen den Aufstieg in Angriff. Das Wetter war perfekt, eine sternenklare Nacht mit Vollmond. Wie bei unserer Cotopaxi Besteigung glänzte auch dieses Mal das Eis im Licht, sodass die Stimmung auf dem Gletscher einfach unglaublich schön war. Wir kamen in einem regelmässigen Rhythmus gut voran, denn der Schnee war fest, mit einem gut ausgetretenen Weg und kontinuierlicher Steigung. Kurz nach dem traumhaften, roten Sonnenaufgang trauten wir aber unseren Augen nicht, als wir das letzte Stück sahen. Die letzten zweihundert Höhenmeter standen uns anfangs in einer Neigung von 55° bevor. Wir kämpften uns mit immer regelmässigeren Pausen hoch und kamen dabei richtig an unsere Grenzen. Nach diesem Teilstück wurde es ein wenig flacher und der Gipfel war auch schon in Sicht. Aber das mühsame Gehen mit den Steigeisen, abwechslungsweise auf
Stein und Eis raubte noch mehr an unseren Kräften. Doch was uns oben erwartete, war einfach atemberaubend. Die grandiose Aussicht entschädigte die riesige Anstrengung und wir freuten uns unglaublich, dass wir es nach gut fünf Stunden auf den Gipfel geschafft haben. Andi war bereits oben und wartete auf uns. In allen Varianten drückten wir ein Gipfelfoto am anderen in die Speicherkarte und bestaunten das wunderschöne Panorama. Kurz darauf nahmen wir den Abstieg in Angriff, was auch nicht unbedingt eine lockere Sache war. Die Morgensonne drückte auf dieser Höhe brutal und in den Beinen lagen schon ein paar Stunden Anstrengung. Doch die tiefen Gletscherspalten und Eisformationen, verbunden mit der traumhaften Aussicht, liess uns immer wieder anhalten, um
Fotos zu knipsen. Bei der Berghütte angekommen, konnten wir es kaum erwarten aus den drückenden Schuhen und Steigeisen rauszuschlüpfen. Danach gab es eine stärkende Suppe und ein paar Minuten Erholung, bevor wir die restlichen vierhundert Höhenmeter zur unteren Berghütte abstiegen. Da wartete auch schon unser Taxi, das uns auf holpriger Strasse zurück zur Agentur in La Paz brachte.
Das Fondue Chinoise im Hotel Oberland war dann am Abend eine richtige Belohnung. Müde und kaputt, aber überglücklich und zufrieden fielen wir nach dem guten Essen ins Bett und genossen einen erholsamen Schlaf mit dicker Luft auf 3200 m.ü.M.
Reaktionen
19:55 Uhr
Hallo liebe Freunde
Super Reisebericht! Wir fühlen gleich wieder die Anstrengung am Berg. Essen hier in Copacabana Trucha bis zum Umfallen und gehen in ein paar Tagen ins Oberland zurück. Wir werden bald in den Dschungel folgen.
PS: Max vermisst Trudi
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