Entlang des Golfes von Mexiko
13:52 Uhr
Als ich mich in meinem Reiseführer über die Reise nach Mexio schlau machte, war der erste Satz, den ich über die Ostküste las: "Die Fahrt entlang des Golfes von Mexiko ist zwar nicht das Schönste, was Mexiko zu bieten hat, aber es ist definitv der schnellste Weg zur Feriendestination Yucatan." Gerade motivierend war dieser Satz zu Beginn nicht und wahrscheinlich war gerade dies der Grund, warum wir im genialen Klettergebiet El Potrero Chico gleich nochmals um neun Tage verlängerten. Wir verbrachten traumhafte Klettertage und einen gemütlichen Rutsch ins neue Jahr. Nach insgesamt drei Wochen hiess es dann am 4. Januar definitiv Abschied von Ort und Leuten nehmen.
Auf der Fahrt in Richtung Süden merkten wir aber schnell, dass es gar nicht immer grosse Sehenswürdigkeiten, schöne Strände oder Touristenattraktionen braucht. Das Land und das Leben der Mexikaner allein ist ein Eintauchen in eine andere Welt und Unterhaltung pur. Zuerst einmal mussten wir uns an den mexikanischen Fahrstil anpassen, ganz nach dem Motto: "Ich komme zuerst und ich habe überall noch irgendwie Platz!" Aus zwei Spuren werden vier gemacht, es wird gehupt und jeder quetscht sich noch irgendwie rein. Mir persönlich fällt die Fahrerei noch ein wenig schwer, aber Mario quängelt und drängelt schon ganz wie ein Mexikaner. Und wenn wir uns nicht gerade auf die ungeduldigen Autofahrer, die Schlaglöcher oder die unzähligen Strassenschwellen konzentrieren mussten, durften wir ein schönes, abwechslugsreiches und offenes Mexiko kennen lernen. Wir fuhren durch chaotische Städte, vorbei an farbenfrohen Häuschen und "glustigen" Strassenmärkten. Die unzähligen Strassenschwellen werden wegen geringer Geschwindigkeit zum Verkauf von Fruchtsäften und Süssigkeiten genutzt und überall wird uns herzlich zugewunken.
Unser erster, etwas längerer Stopp war in Poza Rica. Natürlich wollten wir uns die wenigen Sehenswürdikeiten nicht entgehen lassen und so machten wir einen Ausflug zur Mayaruine El Tajin, die von der UNESCO als Weltkulturerbe erklärt wurde. Das Mayastädtchen mit den vielen Pyramiden und Tempeln, die hauptsächlich für Opferzeremonien und Götteranbetungen genutzt wurden, war sehr interessant. Bekannt ist El Tajin vorallem auch wegen des kulturellen Ballspiels, bei dem die beiden Mannschaften den Ball mit der Hüfte in einen hoch gelegenen Ring befördern mussten. Es wird angenommen, dass am Ende des Spiels entweder der Verlierer oder der Sieger geköpft wurde, was damals aber als grosse Ehre galt.
Weiter auf der Fahrt zur Costa Esmeralda machten wir einen Abstecher ins kleine Dörfchen Tecolutla, das direkt am Golf von Mexiko liegt. Käthi las in ihrem Lonley Planet, dass sich Fernando Manzano, auch bekannt als Papá Tortuga für die vom Aussterben bedrohten Meeresschildkröten seit über 30 Jahren einsetzt. Gerne wollten wir über sein Projekt, bei dem Voluntäre immer sehr willkommen sind, mehr erfahren.
Fernando begrüsste uns freundlich und begann direkt von sich aus zu erzählen. Jedes Jahr, von Mitte April bis Juli kommen die Meeresschildkröten an Land, um ihre Eier zu legen. Um diese Eier vor grösseren Tieren, aber hauptsächlich auch vor den Menschen, die sie als Nahrungsmittel benutzen, zu schützen, sammelt Fernando und seine Helfer die Eier entweder ein, oder richtet mit Gittern einen Schutz direkt am Strand ein. Während seiner jahrelanger Tätigkeit konnten er und seine Helfer die Population der Meeresschildkröten massiv erhöhen. Zu Beginn seiner Arbeit fand Fernando gerade mal ein einiziges Nest am Strand, was ungefähr 100 Eier beinhaltete. Im Jahre 2008 wurden 70'000 junge Meeresschildkröten im Meer frei gelassen. Was mir persönlich ganz besonders am Projekt gefiel, war die Art und Weise, wie er auch Schulen ins Projekt miteinbezieht. Jedes Jahr kommen Schulklassen aus ganz Mexiko nach Tecolutla,
um die jungen Meeresschildkröten im Meer frei zu lassen. Dabei erhalten die Kinder im Nachhinein ein Schildkröten - Zertifikat, was sie natürlich besonders stolz macht. Die Gastfreundschaft von Fernando und seiner Frau war sehr herzlich und das Projekt machte einen super Eindruck auf uns. Wären wir zur richtigen Zeit dort gewesen, hätten wir sofort mit der Voluntärarbeit gestartet.
Beeindruckt, was ein Mensch mit grossem Willen alles erreichen kann, fuhren wir weiter zur Costa Esmeralda. Doch von Sonne, Strand und nichts tun war keine Rede.
Seit über einer Woche hatten wir leider wenig Glück mit dem Wetter. Über Mexiko lag schon länger eine Kaltfront, die es anscheinend seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat. Und so war für die Mexikaner regelrecht der Winter eingebrochen. Wir schmunzelten ein wenig, denn das ganze Volk friert doch tatsächlich bei 15 Grad!
So war dann auch beim nächsten Strand in Chachalacas, wo wir bei einem Restaurant direkt am Meer campieren durften, nicht viel los. Bereits seit über einem Monat waren wir mit z'Renolds unterwegs und genossen eine super Zeit zusammen. In Chachalacas trennten sich nun unsere Wege, da wir noch einen kleinen Abstecher zu einem Klettergebiet in Rio Blanco machen wollten. Das Wiedersehen in einem Monat in Playa del Carmen war aber schon abgemacht, da die zwei noch einen Spanischkurs in Planung haben.
Angekommen in Rio Blanco war es gar nicht so einfach das Klettergebiet ausfindig zu machen, denn die Stadt war umgeben von Hügeln und Felsen. Es hätte überall sein können und in Rio Blanco selber schien auch niemand eine Ahnung vom Klettern zu haben. Da konnte nur noch google maps weiterhelfen und siehe da, es lag gerade um die Ecke von unserem Schlafplatz. Trotz der schlechten Wettervorhersage konnten wir einen tollen Klettertag in Rio Blanco geniessen. Nach dem kurzen Abstecher fuhren wir zurück nach Veracruz in die bergige Tuxla Region. In Catemaco wollten wir den Camping mitten im Jungel erkunden. Auf dem Weg dorthin bog so ein bekannter, grüner Landrover Defender mit roter Box auf dem Dach direkt vor unserer Nase in die Strasse ein. Ein lautes Hupen, ein riesen Gelächter und eine Umarmung. So ein Zufall, die zwei scheinen irgendwo hängen geblieben zu sein. Ja dann, ab mit z'Renolds auf den Campingplatz! Wir brachten uns gegenseitig über die kurzen Abwesenheitstage auf den neusten Stand und seither sind wir wieder zusammen unterwegs. Gemeinsam kurvten wir bei wieder sommerlich heissen Temperaturen weiter nach Villahermosa. Die Kaltfront scheint vorüber zu sein und nicht nur Mario und ich, sondern auch unsere alte Dame begann mächtig zu schwitzen. Ja und was wir in letzter Zeit alles so mit unserem Trudelchen erlebten, das erfährt ihr schon bald in unserem nächsten Bericht.
Reaktionen
14:32 Uhr
Hoi iähr Zwei,
eimol meh härzlichä Dangg für dr neui Reisebricht und natürlich ä bsunderä Dangg für d’Asichtschartä vu eu 3 (Trudy inklusive).
Iäch wüschni guäts Wätter und witerhi viel Freud.
Claudia & Co.
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