Salar de Uyuni, Bolivien
 
 
 
Landesflagge

Farbig, salzig und staubig

 
Samstag, 30. Oktober 2010
17:37 Uhr
Trudi das Spielzeugauto

Es scheint, dass zu Hause eine grosse Frage in der Luft steht. Und zwar: "Wann kommen die Beiden endlich zurück?" Ehrlich gesagt, wissen wir es selber noch nicht genau, aber unser Freund Kevin hat eine sehr gute Theorie. Er meint: "Sie sind auf dem Heimweg, nur liegen einfach noch ein paar Länder dazwischen." Das stimmt ganz genau und gerade vor ein paar Tagen haben wir wieder Abschied von einem sehr eindrücklichen Land genommen. Bolivien hat uns unglaublich gut gefallen und besonders der Südwesten war für uns wohl die eindrücklichste Ecke des Landes.

Nachdem wir in La Paz alles Notwendige erledigt und die Küche mit Esswaren prall gefüllt hatten, fuhren wir raus in die Wildnis von Bolivien. Unser erstes Ziel war der Salar de Uyuni, der grösste Salzsee der Welt. Wir wussten, die beste Jahreszeit ist von August bis Oktober, nämlich nach den eiskaten Wintermonaten und noch vor der Regenzeit, die normalerweise im November schon beginnt. Da Mario am Trocknenbereits Mitte Oktober war und wir die Salzwüste noch im Trockenen erleben wollten, fuhren wir ziemlich zügig zum Nordeingang. Als sich die weisse, endlose Salzwüste nach langer Vorfreude dann endlich vor unseren Augen eröffnete, waren wir sprachlos und absolut überwältigt. Es gab nur blauen Himmel, eine weisse Fläche, Trudi, Mario und mich. Und ihr glaubt es kaum, das kann unglaublich spannend und faszinierend sein. Wir verbrachten rund eine Woche auf dem Salzsee, campierten bei einsamen Kakteeninseln und genossen die wunderschönen Lichtwechsel der Sonnenuntergänge. Der Salar de Uyuni ist mit seiner endlosen, weissen Fläche und dem perfekten Licht der ideale Ort, um witzige Bilder zu machen. So waren wir tagsüber regelrecht mit Fotografieren beschäftigt und an Ideen fehlte es uns kein bisschen. Der Salar de Uyuni war definitiv ein weiterer Höhepunkt auf unserer Reise.

Mach am Auto bloss nichts kaputt!Aber wo es ein so wunderschönes Naturfleckchen gibt, da hat es auch ganz viele Touristen. Da nur wenige ein eigenes Auto besitzen, machen die meisten Leute eine Tour von Uyuni aus. Das bedeutet, dass dieses Dorf mit Touristen völlig überfüllt ist. Es war schade, dass wir nach den wunderschönen Tagen auf dem Salzsee und nach so vielen netten Begegnungen mit Bolivianern genau in diesem Touristendorf so unfreundliche Menschen kennenlernen mussten. Wir brauchten Diesel, denn auch wenn die Strassen auf dem Salzsee wahscheinlich die besten in ganz Bolivien sind, geht irgendwann der Most aus. Tanken ist in diesem Land so eine Glücksache. Manchmal gibt es tagelang, ja sogar Mitten auf dem Salarbis zu einer Woche einfach nichts. Doch als wir in Uyuni ankamen, schien gerade genug vorhanden zu sein. Wie alle anderen stellten wir uns hinten in der langen Schlange an und warteten. Als wir nach fast einer Stunde dann endlich zum Tanken kamen, wies man uns einfach ab. "Ausländer bedienen wir nicht!", hiess es. Wir trauten unseren Ohren nicht. Noch nie haben wir Diskriminierung so offenkundig erlebt. Wütend stiegen wir ein und fuhren zur nächsten Tankstelle. Doch dieses Mal stellten wir unser Auto etwas entfernt ab, sodass sie unser Schweizer Nummernschild nicht sehen konnten und versuchten dann einfach unsere Kanister zu füllen. Dies klappte dann zum Glück ohne weitere Probleme.

Seit Traditionen lebt ganz speziell die Hochlandregion des Südwestens von den Minen. Denn obwohl Bolivien das ärmste Land Südamerikas ist, ist es unglaublich reich an Naturressourcen und Bodenschätzen. In der Stadt Potosi ist der Cerro Rico (reicher Berg) geradezu das typischste Symbol für den Naturreichtum des Landes. Über die letzten Jahrhunderte wurden in den Minen so viel Silber abgebaut, es ist ein Wunder, dass der Berg überhaupt noch steht. Staubig und engUnvorstellbar, dass sich aber die Arbeitsbedingungen der Minenarbeiter über all die Jahrzehnte nicht verbesserten. Natürlich wird von diesem Reichtum auch nur an der obersten Spitze des Systems alles einkassiert. Mit einer geführten Tour konnten wir die Minen besuchen und genau deshalb machten wir von Uyuni den kurzen Abstecher zur Minenstadt Potosi. Bevor wir in den Stollen selbst hineingingen, gab es einen kurzen Rundgang in der Fabrik, wo wir die einzelnen Schritte der Mineralverarbeitung mitverfolgen konnten. Danach kauften wir auf dem Minenmarkt Geschenke für die Arbeiter ein. Es gibt nur drei Dinge, die ein Minenarbeiter im Cerro Rico wirklich braucht: Dynamit, Kokablätter und Getränke. Insgesamt gibt es über dreihuntert Eingänge, wir nahmen einen davon und schon nach kurzer Zeit wurde es heiss, eng und unglaublich staubig. Bei all dem Feinstaub ist es wirklich Minenarbeiternicht verwunderlich, dass die Arbeiter nach zehn bis fünfzehn Jahren an einer Staublunge sterben. Um ein Stockwerk tiefer zu gelangen, mussten wir auf allen Vieren durch enge und stickige Tunnels kriechen. Mit unserem Führer, einem Ex-Minenarbeiter erlebten wir die Arbeitsbedingungen im Stollen hautnah und konnten den Arbeitern direkt zuschauen. Und diese Bedingungen sind echt haarsträubend. Auf einer Höhe von 4200m.ü.M und bei bis zu 45 Grad Hitze kratzen sie in einer gefährlichen Umgebung und mit einfachsten Mittel die Mineralien aus dem Fels. Und wenn gerade kein Wagen oder Lift zur Verfügung steht, dann transportieren sie auch noch alles selbst aus dem engen Stollen heraus. Besonders erschreckend war der fünfzehnjährige Junge, der bereits seit drei Jahren in der Mine arbeitet. Wir waren schockiert. Nach rund zwei Stunden kamen wir  hustend aus der heissen, dunklen Mine ans grelle Tageslicht heraus. Unser Führer meinte, dass Milch gegen den Feinstaub helfe und wenn nicht, dann halt ein Bier! An Humor fehlte es den doch sehr stolzen Minenarbeitern nicht und so kehrten wir nach unserer Tour wieder zu unserem Reisealltag zurück. Es dauerte jedoch eine Weile, bis wir die interessante und gleichzeitig sehr traurige Erfahrung verdauten.

Rote Laguna ColoradaVergleichbar zur Schweiz hat Bolivien mit einer 26-fach grösseren Fläche tatsächlich fast gleich viele Einwohner. Daher gibt es ausserhalb der wenigen Grossstädten viele einsame und verlassene Gegenden. Besonders die Lagunenstrasse zur chilenischen Grenze war abgesehen von ein paar Touren und Militärposten von der restlichen Zivilisation abgeschottet. Aber die Gegend war traumhaft schön. Ganz besonders die knallrote Laguna Colorada, die mit tausenden Flamingos gefüllt war, verschlug uns regelrecht die Sprache. Algen und Plankton verursachen die unglaublich rote Farbe der Lagune. Für die Flamingos ist dies ein idealer Ort, da die tiefste Stelle nur 80cm beträgt. Auch die türkisblaue Laguna Verde, die ihre grüne Farbe von verschiedenen Mineralien erhält, war mit dem Vulkan Licancabur im Hintergrund nicht weniger spektakulär. Flamingos im roten WasserDie ganze Vulkanlandschaft, mit den auf 4850m hoch gelegenen Geisiren und Schlammtöpfen, war atemberaubend. Auch die heissen Quellen, die unterwegs direkt bei einem Salzsee lagen, waren nach den kalten Nächten eine richtige Wohltat und gerade auch eine gute Gelegenheit, sich wieder einmal zu waschen. Immer wieder hörten wir von anderen Reisenden und lasen auch im Reiseführer selbst, dass besonders diese Gegend nachts unglaublich kalt werde. Da wir jedoch gerade die wärmste Zeit im Jahr erwischten, lagen unsere Temperaturen in der Nacht zum Glück nur bei minus zehn Grad und nicht wie bei anderen Reisenden bei minus zwanzig Grad. So waren zwar die Scheiben von innen gefroren und auch Wasser und Lebensmittel waren wie aus dem Gefrierfach, aber unser Trudi sprang morgens munter an, sodass wir ohne Probleme weiterfahren konnten.

Türkisblaue Laguna VerdeNach rund einer Woche kamen wir bei der chilenischen Grenze an und nur ungern verliessen wir das traumhafte, abwechslungreiche und farbenfrohe Bolivien. Gleichzeitig freuten wir uns aber auch wieder auf ein bisschen Zivilisation und den Kontakt zur Aussenwelt.

 

Reaktionen

06. November 2010
19:22 Uhr
Markus und Sonja

Hallo M&Ms;
Wieder mal super Fotos. Aber anderes hätten wir auch nicht erwartet. Grüsse aus Cuenca wo wir uns mit dem Campingchef rumschlagen. Wir hatten doch nur Gutes gehört.
LG M&S m N

08. November 2010
14:13 Uhr
Sarah + Patrick Filippi

Hallo Marion und Mario
Ganz gspannt warten miär uf neui Reisebricht vu eu. Es isch würklich idrücklich, was iär alles erläben. Miär hin d’Agnes und Diana au schu e paarmol frouget: Winn chüns dinn hei? Passen uf und gnüsens!
Es grüssen eu
Sarah + Patrick

11. November 2010
15:00 Uhr
Sandra und Andi

Wo wir eure super Bilder vom Salar gesehen haben, hätte es uns fast gepackt zum dritten Mal dort hin zu fahren. Gute Weiterreise und viel Spass im Süden.
Liebe Grüsse
Sandra und Andi

12. November 2010
18:32 Uhr
m&m's

Vielen Dank für die vielen Komplimente. Der Salar de Uyuni ist auch wirklich ein idealer Ort zum Fotografieren. Wünschen den Weltenbummlern auch alles Gute und viel Spass auf der Weiterreise. Und den lieben Leuten zuhause schicken wir einen Gruss aus Salta / Argentinien. Das Rindsfilet ist wirklich spitze hier ;-)

22. November 2010
15:54 Uhr
der Muger

Sind beeindruckende Bilder! Freu mich auf mehr…

 
 

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