Playa del Carmen, Mexiko / Werkstatt Autopaint
 
 
 
Landesflagge

Operation Trudi

 
Mittwoch, 10. März 2010
18:16 Uhr
Getriebe ausgebaut

Es ist anscheinend normal, dass alte Damen ein wenig schwitzen. Doch als wir Ende Dezember in Potrero Chico einige Flecken Öl unter unserem Auto fanden, waren wir schon ein wenig beunruhigt. Grössere Bereiche des Unterbodens waren nass, Farbe und Konsistenz der Flüssigkeit wiesen auf Motorenöl hin und deshalb mussten wir das Problem im Auge behalten.

Im Verlaufe der Zeit wurde der Verlust auch beim Messen des Ölstandes bemerkbar. Als wir Mitte Januar in San Andres Tuxtla innert weniger Sekunden eine grössere Lache auf dem Boden entdeckten, wussten wir, dass wir das Problem beheben sollten. Gut gelaunt und voller Optimismus machten wir uns am nächsten Tag auf die Suche nach einer Werkstatt. Wir schauten uns nach einer sauberen, seriösen Garage um, die unser Problem professionell beheben sollte. Und siehe da, nach fünf Minuten waren wir auch schon fündig geworden. Im weissen Hemd und Lackschuhen nahmen sich zwei rausgeputzte Herren unserem Problem an. Zu schade um sich die Hände schmutzig zu machen und unwillig uns zu helfen, wiesen sie uns weiter. Sie hätten nicht die benötigten Teile für einen Toyota Landcruiser. Vielleicht sollten wir's trotzdem bei einer etwas schäbigeren Werkstatt versuchen. Ein Stück weiter die Strasse runter sahen wir auf einem Hüttchen einen selbst gemalten Schriftzug "taller mecanico". Werkstatt am StrassenrandDirekt neben der Strasse war ein alter, rostiger Pickup auf Holzpflöcken aufgebockt, mit allen Rädern abmontiert. Als Marion und ich dem Mechaniker zusahen, wie er mit einem Fäustel in voller Wucht auf die Bremsbacken reinschlug, schauten wir uns gegenseitig an und sagten gleichzeitig: "Nein, das tun wir unserem Trudi sicher nicht an!" Und so versuchten wir unser Glück nochmals bei einer sauberen Marken-Garage. Wie immer wies man uns ab, da sie keinen Toyota reparieren können. Nach längerer Diskussion mit unserem Fachspanisch telefonierte der Werkstattchef aber immerhin mal einem Kumpel, der uns eventuell weiterhelfen könne. Er komme uns gleich abholen, hiess es. Die Wartezeit verbrachten wir auf dem Kundensofa, wo wir Werbung für Fitnessgeräte anschauen durften. Nach einer Stunde kam der Mechaniker mit dem Taxi an und wir fuhren zu dritt im Trudi zu seiner Werkstatt. Fünf Leute standen ums Auto und mit Händen und Füssen machte man uns klar, dass es noch ein weiteres Ölproblem beim Verteilergetriebe gäbe. Aber auch sie hätten keine Teile, um unser Problem zu beheben. Sie empfohlen uns grössere Städte mit grösseren Garagen. Der Mechaniker verlangte für die Inspektion 100 Pesos und als Marion ihn ein wenig skeptisch anschaute und nachfragte, halbierte er den Preis sofort.

Werkstatt in San Andres TuxtlaIm Internet suchten wir die nächst gelegene Toyotagarage, die wir in den kommenden Tagen auch in Villahermosa besuchten. Die Leute von Toyota werden uns sicher helfen. Die freundlichen Mechaniker hoben unser Trudi mit einem Lift hoch, doch für die drei Tonnen geballte Kraft war der Lift fast zu schwach. Und so bangten wir darum, dass das Fahrzeug nicht auch noch vom Stängelchen fällt. Unser Problem wurde ein weiteres Mal von den Mechanikern lokalisiert und bestätigt: die beiden Simmeringe von Motor und Verteilergetriebe sind beschädigt. Doch leider konnten die Leute von Toyota weder Simmeringe in Mexiko organisieren noch bestellen. Unsere Stammnummer war einfach nicht in ihrem mexikanischen System zu finden. Und wenn wir noch die Seriennummern der Teile in unseren elektronischen Handbüchern gefunden hätten, eine internationale Bestellung wäre einfach nicht möglich gewesen. Hmm, wer ausser Toyota soll uns denn noch weiterhelfen?

Ein Hilferuf per SMS und eine Stunde später skypten wir mit unserem Freund und Mechaniker Kevin zu Hause in Mels. Er könne die Teile problemlos bestellen und uns zukommen lassen. Leider sei es jedoch eine Werksbestellung von Toyotagarage in VillahermosaJapan und die Teile können nicht direkt nach Mexiko geschickt werden. Sie müssen zuerst den Umweg über die Schweiz machen und die Lieferung von Japan in die Schweiz würde etwa ein bis zwei Wochen dauern. Da wir nicht wochenlang in Villahermosa warten wollten, liessen wir die Teile über die Schweiz zur Toyota-Garage in Playa del Carmen senden. Wir wollten ja sowieso in etwa zwei Wochen dort sein. So reisten wir noch über tausend Kilometer mit unserem immer noch funktionstüchtigen Landcruiser auf der Yukatan-Halbinsel. Das ständige Nachfüllen von Öl hielt sich zum Glück in Grenzen und so kamen wir Ende Januar in Playa del Carmen an.

Die Ersatzteile waren bereits in der Schweiz eingetroffen und wir entschieden uns, sie mit Post Priority nach Mexiko versenden zu lassen. Dieser Service der schweizer Post liefert Pakete in nur 3-5 Tagen weltweit und ist im Gegensatz zu DHL um Einiges billiger. Wir besuchten die Toyota-Werkstatt an einem Sonntag. José, ein freundlicher Verkäufer nahm unser Anliegen auf und versicherte uns, dass sie uns umgehendst informieren werden, sobald das Paket angekommen sei. Mechaniker an der ArbeitEr organisierte uns sogar einen gratis Standplatz direkt vor der Toyotagarage, inklusive 24h Securitas-Service. So übernachteten wir eine Nacht vor der Werkstatt, enschieden uns dann aber nach Tulum weiterzugehen, da es dort gemütlichere und günstige Campingplätze zum Warten gab. So trafen wir Stefan und Romana aus Österreich und wir verbrachten eine tolle Woche zusammen im Sian Ka'an Reservat.

Die Lieferzeit von 3-5 Tagen weltweit war schon längst überschritten. Die mexikanische Post hat uns wohl wieder einmal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Unsere Teile wollten einfach nicht in Mexiko ankommen und die Zeit drängte ein wenig, da wir bereits ein Strohhüttchen auf der Insel Glover's Atoll in Belize gebucht hatten. Wir entschieden uns noch bis am 14. Februar aufs Päckchen zu warten. Ansonsten würden wir das Trudi einfach stehen lassen und mit dem Trudi zerlegtRucksack nach Belize losziehen. So konnten wir die Gefahr eines Totalstillstandes in Belize vermeiden. Wir klärten ab, ob wir unser Fahrzeug für die nächsten drei Wochen bei der Toyotagarage abstellen dürfen, was kein Problem war. Wir waren gerade dabei unsere Rucksäcke auf einem Parkplatz eines grossen Einkaufszentrum zu packen, als Martin Costa mit seinem Auto neben uns anhielt. Wir hatten den freundlichen Spanier mit seiner Familie vor einigen Tagen im Sian Ka'an Reservat kennengelernt. Wir teilten ihm unser Vorhaben mit und weil es uns mit dem Parkplatz bei der Toyota-Werkstatt nicht ganz so wohl war, stellte er uns seinen sicheren Parkplatz direkt vor seinem Haus für ganze drei Wochen zur Verfügung. Wir nahmen das Angebot natürlich gerne an.

Am nächsten Tag gegen Mittag passierten wir mit dem öffentlichen Bus die Grenze nach Belize. Keine zehn Minuten später erhielten wir die Nachricht von José, dass unsere Ersatzteile in Playa angekommen seien. Okay, Autopaint Werkstatt in Playahauptsache das Packet ist endlich in Mexiko angekommen, obwohl der Zeitpunkt nicht hätte dümmer sein können! Unsere Kollegen die Renolds, hielten sich zu diesem Zeitpunkt gerade in Playa del Carmen auf und wir informierten sie, dass sie das Päckchen doch abholen sollen. Wir wollten natürlich nicht, dass es aus Versehen wieder in die Schweiz zurückgesendet wird. Die Zeit in Belize genossen wir in vollen Zügen, es war eine super Abwechslung mit dem Rucksack zu reisen.

Nach drei Wochen kamen wir nach Mexiko zurück, um endlich unser Fahrzeug zu reparieren. Glücklich nahmen wir unser Auto vor Martin's Haus in Empfang und durften uns gleich für die kommenden Reparaturtage bei ihnen einquartieren. Die grosszügige Gastfreundschaft war einfach unglaublich nett. Die Toyota-Werkstatt wollte unser Trudi nicht reparieren, da es ein Dieselfahrzeug sei. Wir schüttelten nur den Kopf. Der Werkstattchef telefonierte mit einem Kumpel und dieser versicherte uns, dass sie die Reparatur machen können. So kamen wir bei unserer letzten Werkstatt an. Klar, auch hier war die erste Antwort, dass sie keine Dieselfahrzeuge reparieren können. Wir liessen uns jedoch nicht so schnell abwimmeln, schliesslich hatten wir eine telefonische Bestätigung erhalten. Antonio, der Chef versicherte dann, dass sie die Operation von Trudi machen werden. Endlich! Martin Costa und FamilieDa das Ersetzen der Simmeringe ganze zwei Tage dauere, verabredeten wir uns auf den nächsten Morgen um 8:00 Uhr. Ich blieb den ganzen Tag in der Werkstatt, um den Mechanikern auf die Finger zu schauen. Vielleicht geht's ja auch in einem Tag, dies war meine Hoffnung. Die drei Mexikaner begannen wie die Feuerwehr. In einer Stunde war das Fahrzeug auf dem Boden zerlegt. Dann stellte sich plötzlich heraus, dass weitere Teile am hinteren Verteilergetriebe defekt waren, unter anderem ein Einstellring aus Stahl. Ganz im mexikanischen Stil wurde die Arbeit fallen gelassen und es ging ab zum Mittagessen. Genau diese Situation wollten wir von Anfang an vermeiden, dass das Fahrzeug ausseinandergenommen ist und Teile fehlen. Den ganzen Nachmittag versuchten wir zusammen mit Antonio und Martin Costa einen passenden Einstellring in der Stadt zu organisieren, leider erfolglos, da sich Mexiko nach den US-amerikanische Massen richtet. Und nun beginnt das ganze Bestellprozedere nochmals von vorn? Am nächsten Morgen erhielten wir ein Telefon von Antonio. Er hatte jemanden gefunden, der einen passenden Einstellring aus Stahl mit einer Genauigkeit von einigen Mikrometern produzieren kann. Sie seien bereits an der Arbeit. Als wir bei der Werkstatt ankamen, waren alle Teile des Getriebes zusammengebaut und in wenigen Stunden war die Reparatur erfolgreich beendet. Was für ein tolles Gefühl!

Und nun möchten wir an dieser Stelle nochmals allen Leuten danken, die uns bei der Lösung del Öl-Problems halfen. Vielen Dank an Antonio und seine Crew von Autopaint, die unser Trudi wieder auf Vordermann brachten. Ein spezieller Dank an Kevin, der uns die Teile sofort und unkompliziert von Japan bestellte und nach Mexiko schickte. Michi Renold, der uns immer mit guten Fachtips beiseite stand und ein ganz spezieller Dank an Martin Costa und seine Familie, für die unglaublich grosse Hilfe und Unterstützung.

 

Reaktionen

14. März 2010
18:56 Uhr
Mario

Sorry für den riesen Bericht, wir versuchen nächstes Mal uns ein wenig kürzer zu halten…

15. März 2010
08:21 Uhr
Hobi Claudia

Hoi iähr Zwei,
Ui, do cha mä nu hoffä, dass iähr niä meh gröberi Problem mit eurem Trudi hinn. Zum Glück hinn iähr d’Närvä nid verlourä und schü, dass iähr immer wider Lüt finden, wo eu hälfen.
Also Natur-Bilder sinn miär liäber als Bilder vumenä zerleitä Trudili *grins*
Ä guäti Wuchä und liäbi Grüäss
Claudia

15. März 2010
16:24 Uhr
Jan

Riesenbericht? Kein Problem-ich lese alle auch wenn sie noch so lange sind. Deshalb immer schön weiterschreiben, das war spannend. Und schöne Fotos schau ich auch immer gerne an. Gruss Jan

 
 

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