Pampa Tour im Beni Reservat
22:58 Uhr
Nach unserer erfolgreichen Gipfelbesteigung wollten wir nochmals ein wenig Wärme tanken und so fuhren wir runter vom Altiplano direkt hinein in den Dschungel von Bolivien. Um das Tiefland zu erreichen, mussten wir eine dreitätige Reise auf einer Schotterstrasse auf uns nehmen. Schlechte Strassenverhältnisse sind für Bolivien ganz üblich.
Da wir bereits eine super Dschungel-Tour im Cuyabeno Reservat in Ecuador erlebten, stellten wir keine hohen Erwartungen an den Dschungel mehr. Wir entschieden uns, eine Pampa-Tour ins Reserva National de Beni, einem absolut untouristischen Reservat zu machen. So suchten wir nach einer Estancia El Porvenir, welche laut unserem Reiseführer irgendwo zwischen San Borja und San Ignacio gelegen sein sollte. Nach einer guten Stunde fanden wir den ehemaligen Bauernhof, jedoch war dieser menschenleer. Lediglich ein paar Pferde und Kühe waren anwesend, sie konnten uns aber auch nicht weiterhelfen. Wir versuchten es beim Nachbarn-Bauernhof und die netten Leute erzählten uns, dass alle Angestellten nach San Borja gefahren seien und dass es dort anscheinend auch ein Büro des Reservates gäbe. Na gut, so fuhren wir die einstündige Schotterstrasse wieder zurück nach San Borja.
Im Büro des Reservates angekommen, fanden wir eine riesen Party mit extrem lauter Musik vor. Das Reservat hatte ihr 28 jähriges Jubiläum und genau aus diesem Grund konnten wir keine Angestellten bei der Estancia finden. Und da alle am Feiern waren, ging an diesem Tag auch gar nichts mehr. Wir wurden spontan zum Fest eingeladen und durften vor dem Büro sogar unser Dachzelt aufschlagen. Am nächsten Morgen planten wir zusammen mit Carola, der Vorsitzenden des Reservates, unsere Tour. Da wir eine kaum touristische Tour machen wollten, mussten wir eigentlich alles selber planen. Uns wurde lediglich ein Führer "plutt" zur Verfügung gestellt. So mussten wir Esswaren,
Zelt und Transport für uns und auch für unseren Führer organisieren. Noch am selben Tag fuhren wir zusammen mit Julio zur Estancia El Porvenir, wo auch schon unsere Pferde auf uns warteten. Wir beide hatten nicht wirklich Erfahrung mit Reiten, aber Julio zeigte uns alle nötigen Tipps und Tricks. Bereits am ersten Tag sahen wir etliche Tiere wie z.B. Krokodile, Kapibarras, Sträusse, Affen, Toucane und hunderte von Papageien. Wir waren von der Vielzahl an Tieren sehr überrascht und genossen die herrliche Landschaft der Pampa. Es war für uns auch wirklich einmal etwas anderes, die wilden Tiere vom zahmen Pferd aus zu beobachten.
Am zweiten Tag machten wir einen Ausritt weiter in den zurzeit trockenen Wald hinein. Da ein tieferer Fluss unseren Weg durchquerte und der Wald viel dichter wurde, kamen wir mit den Pferden nicht mehr weiter. Wir mussten sie zurücklassen und zu Fuss weitergehen. Kaum waren wir ein paar Schritte gegangen, wurden wir von einem Einheimischen mit Freuden empfangen. Zusammen mit seiner Frau lud Victor uns spontan zu einem frisch gepressten Orangensaft bei seiner selbstgebauten Hütte ein. Später kochte seine Frau Maria uns auch noch ein leckeres Mittagessen, Reis und Kochbananen mit Fleisch von der frisch geschlachteten Kuh. Und weil die Beiden so Freude an ihren "ersten Touristen" hatten, feierten wir gerade auch noch Marion's Geburtstag, drei Tage früher mit ein paar Schlücken Whiskey, Gesang und Gittarrenklängen. Am späteren Nachmittag mussten wir nach der netten Begegnung aber wieder den Heimweg zurück zum Zeltplatz auf den Pferden in Angriff nehmen.
Während dem Abendessen sahen wir bereits Wolken aufkommen und heftiger Wind bliess uns um die Ohren. Ein paar Stunden später regnete es wie verrückt und Blitz und Donner hielten uns vom Schlaf ab. Und weil wir unser neues, kleines Zelt unserem Führer zur Verfügung stellten, mussten wir in unserem etwas grösseren, alten und undichten Lumpen übernachten. Ich wurde mitten in der Nacht plötzlich aus dem Schlaf gerissen, weil mein Kopf klatschnass wurde. Wir konnten zusehen, wie langsam das Wasser in unser Zelt hereinsickerte. Die ganze Wiese stand unter Wasser und damit auch wir in unserem kleinen Zelt.
Mit unseren aufblasbaren Mättchen schwammen wir fast wie auf einer Luftmatratze auf der Pfütze auf. Alles war nass und schmutzig und nach zwei Tagen reiten, schmerzten auch unsere Hintern extrem. Wir fuhren nach San Borja zurück und reinigten all unsere Sachen. Wir blieben noch zwei Tage im Dorf, da gerade das örtliche Dorffest anstand. Den traditionell bolivianischen Umzug und das Treiben in der Stadt schauten wir uns natürlich gerne an. Nach dem tollen Fest verabschiedeten wir uns von den lieben Angestellten des Reservates, die uns so herzlich bei sich aufnahmen.
Unsere Reise in den Dschungel sollte nach rund einer Woche zu Ende gehen. Doch es kam anders. Als wir zurück nach La Paz fahren wollten, wurden wir auf halber Strecke an einer Mautstelle von einem Polizisten
über die aktuelle Strassenblockade informiert. Solche Blockaden kommen in Bolivien öfters vor. Falls den Bolivianern etwas nicht passt, riegeln sie einfach Hauptverkehrsachsen mit Bäumen und Steinen ab. Damit machen sie die Medien auf sich aufmerksam und üben entsprechenden Druck auf den Staat aus. Die Strassensperre wird erst dann behoben, wenn beide Parteien eine Lösung gefunden haben.
Nun sassen wir also in Caranavi fest. Wir wussten nicht wie lange die Blockade andauern wird. Es könnte einen Tag aber auch 1-2 Wochen vergehen, bis die Strasse wieder frei wird. Wir diskutierten lange und entschieden schlussendlich, einen kleineren
Umweg nach La Paz in Kauf zu nehmen. Laut dem Hotelangestellten sollte die Strecke in einem Tag machbar sein, wegen der kurvigen Strasse ein wenig langsamer, aber stetig. Also machten wir uns auf der nur noch einspurigen Schotterstrasse auf den Weg. Die 253km nach La Paz, die zu Beginn auf zwei verschiedenen Strassenschildern standen, ermutigten uns. Jedoch wussten wir dabei nicht, dass diese Angaben nicht für unsere Strasse galten. So fuhren wir zwei Tage lang, jeweils von morgen früh bis zur Dämmerung, insgesamt 22 Stunden und teilweise nur mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h, von Caranavi rauf auf die Hochebene des Altiplano. Auf den total 510 Kilometern, die wir bei unserem Umweg hinter uns brachten, mussten wir viele Flüsse und Bäche überqueren und auch Schlammpartien auf uns nehmen. Und zugegeben, einige Nerven gingen auf der ständigen Holperei schon verloren. Dennoch war die ganze Fahrt landschaftlich sehr sehenswert.
Trotz den kleineren Zwischenfällen war unser Abstecher in den Dschungel ein super Erlebnis. Wir können die Tour wirklich jedermann weiterempfehlen! Dank der Entscheidung ins Beni-Reservat zu gehen, sind wir mit Land und Leuten in direkten Kontakt gekommen und sahen nebenbei auch noch sehr viele, tropische Tiere. Man muss nicht immer eine touristische Region wählen um ein Abenteuer erleben zu dürfen.
Übrigens, die Strasse nach La Paz ist heute, nach fünf Tagen immer noch wegen der Blockade geschlossen und ein Ende ist noch nicht in Sicht...
Reaktionen
09:09 Uhr
Liebe Marion und Mario
Schön, die Fotene vu Eurem Dschungelbsuech in Boliviä.
Das Foti mit dä Gelbbrustaras findä iech spitzä. Aber auc der Bricht isch guet, dankä.
En liebä Gruess
Mama Dolores
10:16 Uhr
Miär warten immer mit Schpannig uf eueri interessantä Bricht mit dä eimalig schünä fotnä - dankä! Em Trudi müen ier ä Dinkmoul setzä win ier wider zrugg sind, was das alles mitmacht. Liäbä Gruess. Margrit + Erwin.
17:11 Uhr
hallo ihr beiden, irgendwie hatte ich das Gefühl ihr seid wieder zu Hause, na ja, weit gefehlt. Schön zu lesen, dass es euch gut geht! Wie macht ihr das, euch immer wieder zu motivieren, weiter zu reisen??? Wir verbringen den Winter in Südafrika. Zur Zeit hüten wir ein Haus in einem Vorort von Cape Town. Es geht uns gut und wir geniessen das herrliche Wetter udn das Dolce Far Niente! Aber wir freuen uns riesig, am 1. April nach 2 Jahren Zigeunerleben in unser Haus in Hedingen einzuziehen - ich bin schon schwer am “Möbliere” und mache manchmal Walter fast verrückt! Ja, so sind wir Frauen eben!! wir wünschen euch weiterhin alles, alles Gute und freuen uns auf ein Wiedersehen in der Schweiz! Liebe Grüsse Margrit und Walter
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