Perito Moreno, Argentinien
 
 
 
Landesflagge

Patagonien

 
Samstag, 05. Februar 2011
00:57 Uhr
Typisch patagonisch

Patagonien wurde je südlicher umso wilder, weiter und verlassener. Heftige Winde pfiffen uns täglich um die Ohren und schaukelten uns am Abend im wackelnden Auto in den Schlaf. Die Landschaft änderte sich schlagartig, als wir nach der Carretera Austral auf die andere Seite der Anden hüpften. Von feuchten, immergrünen Regenwäldern und verschneiten Bergen in Chile fuhren wir rein in die trockene und weite Steppe von Argentinien. Die Distanzen in Patagonien sind riesig und so verbrachten wir einige Fahrtage auf den ewigen Schotterpisten. Doch die fantastischen Zwischenstopps entlang der argentinisch-chilenischen Anden entschädigten das lange Sitzen im Auto.

Patagonische WindeDas Wetter in Patagonien ist launisch, oft sehr windig, schwer vorhersehbar und kann sich schnell verändern. Kurz gesagt, eine Glücksache. Nicht immer waren wir die Glücklichen, aber ganz im Norden hatten wir eine Woche lang strahlender Sonnenschein. Dies nutzten wir für unsere geplante Mehrtageswanderung im Nahuel Huapi Nationalpark sofort aus. Einmal mehr machten wir uns mit prall gefüllten und schweren Rucksäcken auf den Weg und wanderten während drei Wandern im Nahuel Huapi NPTagen durch alpines Gebirge. Wir campierten direkt neben den Berghütten und trafen dabei immer wieder auf bekannte Gesichter, die wir auf anderen Wanderungen kennenlernten. Der zweite Tag war besonders streng, als wir über zwei Pässe jeweils tausend Höhenmeter rauf und wieder runter liefen. Doch die Aussicht auf die umliegende Bergwelt, die tiefen Tälern und Seen war traumhaft schön.

Lago Nahuel HuapiDie Wandermöglichkeiten entlang der Anden sind grenzenlos. Ganz besonders das berühmte Fitz Roy Massiv, ausserhalb vom Dörfchen El Chaltén, zieht jährlich tausende von Kletterer und Wanderer an. Da das Wetter jedoch so unstabil ist, warten ambitionierte Kletterer aus der ganzen Welt teilweise Wochen, ja sogar Monate, bis sie den 3406 Meter hohen Fitz Roy besteigen können. Rund um das spektakuläre Granitmassiv gibt es zahlreiche Wanderwege und unser Ziel war es, die Felswände möglichst nahe zu Gesicht zu bekommen. Tolle AbendstimmungDas war jedoch gar nicht so einfach, denn oft ist alles im Nebel verhangen. Doch wie es sich schon so oft bewährte, kämpfen wir uns auch an diesem Ort möglichst früh aus den Federn. Nicht nur das Wetter war an diesem Morgen stabiler, es hatte auch bedeutend weniger Touristen um diese Uhrzeit. So genossen wir die Einsamkeit auf dem wunderschönen Wanderweg durch den Wald und bekamen tatsächlich beim Aussichtspunkt den Fitz Roy und seine Kumpels zu Gesicht. Die gigantischen Gipfel sind von Schnee und Eis umgeben und gehören deshalb zum nördlichen Teil vom Los Glaciares Nationalpark.

Fitz Roy MassivEin weiterer Höhepunkt im selben Nationalpark erwartete uns weiter im Süden. Der Perito Moreno Gletscher ist Teil eines riesigen kontinentalen Gletschergebietes der südamerikanischen Anden. Eine Besonderheit des 60km langen Perito Moreno ist, dass er einer der wenigen bekannten Gletscher ausserhalb der Antarktis und Grönlands ist, der noch kontinuierlich wächst. Wir konnten es kaum erwarten, dieses Naturspektakel zu sehen, doch wir mussten uns gedulden, da uns in El Chaltén der Diesel ausging. Perito MorenoDas Risiko, vom mitten in der Pampa von Patagonien Steckenbleiben, wollten wir nicht auf uns nehmen und so blieb uns nichts anderes übrig als zu warten. Und während wir auf dem Parkplatz auf Diesel warteten, klopfte plötzlich eine Familie aus Altstätten ans Auto und lud uns spontan zu Kaffee und Omeletten mit Calafatebeeren ein. Diese Einladung nahmen wir gerne an und so verbrachten wir einen kurzweiligen Nachmittag im Ferienhaus der netten Familie mit den drei Kindern. Am anderen Morgen war die lange Warteschlange vor der Tankstelle ein Zeichen dafür, dass es wieder Benzin und Diesel gab. Wir stellten uns hinten an und als wir nach einer Stunde zum Tanken kamen, gab es einen plötzlichen Stromausfall. Dies ist in El Chaltén wegen der starken Windböen nichts Ungewöhnliches. Der Tankangestellte lachte, alle warteten und niemand beschwerte sich, bis es wieder Strom gab. Perito MorenoIrgendwann am Nachmittag konnten wir dann fertigtanken und zum Perito Moreno Gletscher losfahren. Zu sehen und zu hören wie kleinere und grössere Eisblöcke in den Lago Argentino krachten, war fantastisch. Überall knackste und plumste es, denn pro Tag schiebt sich die Eismasse ungefähr einen Meter vorwärts. Wir verbrachten den ganzen Tag vor dieser riesigen Eiswand und waren einfach begeistert. Irgendwann am Nachmittag löste sich auf einmal eine ganze Eiswand von der riesigen Gletscherzunge, was dann zu meterhohen Flutwellen im See führte. Diesen Ort zu verlassen, fiel uns schwer. Doch gegen den späteren Abend erinnerte uns ein Parkwächter daran, dass es langsam Zeit sei zu gehen.

Das Ende der WeltGuanaco zu BesuchUnd hier sind wir nun, in Ushuaia, am südlichsten, befahrbaren Punkt der gesamten Reise. Damit wir hier hinkamen, mussten wir die Fähre über die Magellanstrasse nach Feuerland nehmen. Als wir dann ganz zuunterst ankamen, ja, da kamen die Emotionen schon ein wenig hoch. Kaum zu glauben, wir sind während 19 Monaten von Nord- nach Südamerika gereist, haben über 60'000km hinter uns und dabei unglaublich viel gesehen und erlebt.

 

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