Katitawa Schule in Salasaca / Ecuador
 
 
 
Landesflagge

Sumak Kausay Yachay

 
Samstag, 19. Juni 2010
00:22 Uhr
Voluntäre von SKY

Sumak Kausay Yachay, kurz SKY bedeutet ein wunderschönes Leben mit Bildung. So hiess unser Projekt, bei dem wir die letzten drei Wochen in Salasaca in Ecuador mithalfen. Die Sprache des Projektnamens ist Quechua, ein äusserst spezieller und für uns absolut unverständlicher Dialekt, der hauptsächlich die indigene Bevölkerung im Hochland von Ecuador spricht.

Die Einreise von Peru nach Ecuador verlief problemlos, innerhalb von einer halben Stunde waren alle Formalitäten erledigt und die benötigten Einreisestempel im Sack. Und kaum waren wir über der Grenze, war, im Gegensatz zur Wüste im Norden von Peru, alles um uns herum saftig grün. Willkommen in Ecuador! Vorbei an riesigen Bananenplantagen kämpften wir uns wieder einmal im Schneckentempo von Meereshöhe auf  2500 m.ü.M hoch nach Cuenca. Eigentlich wollten wir dort nur einen kurzen Zwischenstopp einlegen, da wir möglichst bald im Projekt in Salasaca starten wollten. Aktiver Vulkan TungarahuaDoch der aktive Vulkan Tungurahua, der direkt neben Baños in die Höhe ragt und auch von Salasaca nicht weit entfernt ist, machte uns kurzerhand einen Strich durch die Rechnung. Von zuhause wurden wir über die mächtige Eruption des Tungurahuas informiert. Hier erhalten wir nämlich schweizer Expressnachrichten per Sms, herzlichen Dank euch allen zuhause! Der Flughafen in Guayaguil wurde wegen der Aschewolke geschlossen und ganze Strassen waren blockiert. So entschieden wir noch einige Tage in Cuenca zu bleiben, um die Lage abzuwarten. Wir erkundeten uns bei Robert, dem Projektleiter nach der aktuellen Situation in Salasaca. Glücklicherweise ist dieses kleine Hochlanddörfchen genug weit von der Gefahrenzone entfernt und ausser ein wenig Asche, meinte Robert, sei alles ganz normal. Nach zwei Wartetagen in Cuenca normalisierte sich auch wieder alles auf den ecuadorianischen Strassen, sodass wir ohne Probleme nach Salasaca ins Projekt fahren konnten. Im Voluntärhaus wurden wir von den anwesenden Helfern herzlich in Empfang genommen, erhielten eine kleine Führung durchs Haus und organisierten den Stellplatz für's Trudi. Später gegen den Abend lernten wir den überaus rüstigen und netten, fast 80-jährigen Projektleiter Robert kennen, der uns eine Führung durch die Bibliothek gab. Wir fühlten uns sehr willkommen, richteten uns im schönen Voluntärhaus ein und waren auf die kommenden drei Wochen Voluntärarbeit sehr gespannt.

Schüler der Katitawa SchuleDas Projekt SKY, mit dem Hauptziel Bildung, beinhaltet die Katitawa Schule und eine Bibliothek mit Internetcafé. Die Schule ist eine halbe Stunde zu Fuss vom Voluntärhaus entfernt, auf einem Hügel in einer ruhigen Umgebung, eingebettet in Feld und Wald. Direkt neben der Schule gibt es eine kleine Farm mit Hühnern und Enten, sowie einen grossen Garten, wovon der Ertrag für's Schulmittagessen genutzt wird. Drei ecuadorianische Lehrer, einer davon ist der Schulleiter, unterrichten die Kinder in Spanisch und Quechua. Voluntäre können entweder assistieren oder eigene Klassen in Englisch, spanischer Lektüre oder Musik unterrichten. Doch so gut das nun alles tönt, in der Praxis lief alles ein wenig chaotisch. Obwohl die Schule wirklich gute Ansätze hat und die Infrastruktur mehr oder weniger vorhanden ist, fehlt es an der Schule hauptsächlich an einer guten Führung, an Ordnung und Struktur. Ich unterrichtete am Nachmittag jeweils eine Lektion und mir wurde gesagt, ich könne unterrichten, was ich wolle. Schnell stellte ich fest, dass die Kinder neben Englisch und Mathematik am Morgen gar keinen eigentlichen Spanischunterricht haben. Aus diesem Grund stellte ich ein Lese- Marion im Unterrichtund Schreibprogramm für die kommenden drei Wochen zusammen. Da alles sehr unorganisiert war, teilte ich mir einfach selber eine Gruppe zu und war die ersten Tage nur damit beschäftigt, den Kindern Klassen- und Anstandsregeln beizubringen. Da der ecuadorianische Schulleiter teilweise am Nachmittag gar keine Lust hatte seine Kinder zu unterrichten, stopfte er einfach seine Schüler in meine Klasse hinein. Andere Tage wiederum hatte er irgend eine Idee und riss kurzerhand, inmitten der Lektion, einfach alle Kinder aus meinem Unterricht heraus. Doch neben der verantwortungslosen Führung des Schulleiters gibt es noch ein weiteres Problem. Während den drei Wochen fehlten jeden Tag ein bis zwei Kinder, da sie den Eltern auf dem Feld helfen mussten. Sogar die kleinsten, fünfjährige Mädchen und Knaben müssen bei der Arbeit zuhause mithelfen. Die älteren neunjährigen Kinder übernehmen teilweise schon die ganze Verantwortung zuhause, indem sie kochen, waschen und auf die jüngeren Geschwister aufpassen. Verständlicherweise sind sie danach viel zu müde, um noch Hausaufgaben zu erledigen oder am anderen Tag zur Schule zu gehen.

BibliothekMario arbeitete die meiste Zeit in der Bibltiothek und wenn ich nicht unterrichtete, half ich ihm dabei. Gemeinsam stellten wir einen Anleitungs- und Informationsordner für neue Voluntäre zusammen, da die alten Anleitungen verloren gingen oder nicht mehr aktuell waren. Nebenbei fand Mario heraus, dass ein Voluntär vor längerer Zeit eine tolle Webseite gestaltete, welche aber nie richtig benutzt wurde. Sofort übernahm Mario die Aufgabe, überarbeitete und aktualisierte die Webseite und leistete wieder einmal tolle Arbeit. Er kümmerte sich auch um die allgemeinen Computerprobleme in der Bibliothek. Neben den vielen Büchern stellt das Projekt drei Computer für Aus- und Weiterbildung gratis zur Verfügung. Häufig werden sie für das Erledigen von Hausaufgaben genutzt. Die Bibliothek ist auch eine Art Hort, wo Kinder immer willkommen sind, sei es zum Spielen, Lesen oder Schreiben. Wir waren von der Bibliothek, der Infrastruktur und Umsetzung sehr begeistert. Sobald die Kinder am Nachmittag kamen, las ich ihnen entweder Geschichten vor oder ich ermunterete sie zum Lesen. Während den ganzen drei Wochen lehnte ausser den Voluntären leider niemand ein Buch aus. Wir hoffen, dass die jüngere Generation durch diese Lesestunden in der Bibliothek mehr den Zugang zu den Büchern finden wird.

Ecuadorianisches MädchenDie Erfahrung, die wir im Projekt in Salasaca machten, war wirklich einmalig. SKY wurde für die ecuadorianischen Kinder gegründet und genau sie machen das Projekt auch so wertvoll. Von Weitem riefen sie uns jeweils zu, wollten mit uns lesen und spielen. Und wenn auch der Fussball halb platt, das Spiel- und Lesematerial nicht das neuste und schönste war, hatten sie doch eine riesige Freude, dass wir uns Zeit für sie nahmen. Die Kinder waren sehr offen, herzlich, naturbezogen und zugänglich, die lachenden Gesichter werden uns in ganz besonderer Erinnerung bleiben. Wir fühlten uns im Projekt sehr wohl, nicht zuletzt auch deshalb, weil wir ein unglaublich lässiges Voluntärtrüppchen waren. Jeden Abend bekochten wir uns gegenseitig und wir verbrachten lustige Stunden zusammen. Besonders Mario's Geburtstagsapéro endete in einer witzigen, kleinen Party. Wir machten tolle Bekanntschaften und hoffen, dass wir diese auch aufrecht erhalten können. Nach drei Wochen verliessen wir das Projekt SKY mit vielen guten Eindrücken und Erlebnissen, mit positiven sowie auch negativen Erfahrungen. Besonders an der Schule gibt es noch einiges an Entwicklungs- und Verbesserungpotential aber genau deshalb leisten wir ja Voluntärarbeit. Wir würden jederzeit wieder zurück nach Salasaca gehen, um im Projekt mitzuhelfen.

 

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