Trudi streikt!
16:53 Uhr
Kurz bevor wir uns auf die Cotopaxi-Tour machten, zickte unser Trudi wieder einmal. Wenn wir die Zündung drehten, ging ausser einem Klaks gar nichts mehr. Dann werden's wohl die Batterien sein, dachten wir. Also haben wir schnell unser Aufladegerät herausgepackt und unsere beiden Autobatterien zum Aufladen angehängt. Nach rund drei Stunden montierten wir die Batterien wieder im Fahrzeug und versuchten noch einmal das Auto zu starten. Leider ohne Erfolg.
Wir befanden uns auf dem Parkplatz des Restaurants EL Fogon in Latacunga. Der nette Restaurantbesitzer Alberto hatte uns einen Stellplatz zum Übernachten und zum Abstellen unseres Fahrzeuges während der Cotopaxi-Tour zur Verfügung gestellt. Es ging aber gar nichts mehr mit unserem Trudelchen. In der Zwischenzeit vermutete ich, dass der Anlasser seinen Geist aufgegeben hatte. Jedoch hatten wir wegen der bevorstehenden Cotopaxi-Besteigung keine Zeit mehr, der Ursache auf den Grund zu gehen. So liessen wir unser defektes Auto auf dem Parkplatz stehen und machten uns auf die zweitägige Tour.
Müde vom Cotopaxi zurückgekommen, ruhten wir uns erst einmal aus. Als wir am späteren Nachmittag aus dem Bett kamen, widmete ich mich dem aktuellen Problem. Da ich nicht so viel Ahnung von Autos habe, waren mir schnell die Hände gebunden. Alberto, der Restaurantbesitzer schaute sich das Problem an. Was für ein Zufall, er war ein ehemaliger Automechaniker! Nach ein paar Tests, Auto im fünften Gang hin- und herschieben und Anlasser irgendwie kurzschliessen, schaffte er es tatsächlich den Motor laufen zu lassen. Er meinte, dass der Anlasser Verschleisserscheinungen aufweise und wir das Problem morgen zusammen beheben können.
Am nächsten Morgen machte ich mich an den Ausbau des Anlassers. Dies war gar nicht so einfach und so mussten Alberto und ich zuerst spezielles Werkzeug besorgen, um die zweite Schraube lösen zu können. Erfolglos suchten wir bei vier verschiedenen Werkstätten nach dem Spezialwerkzeug. Aber per Zufall fand Alberto in seinem riesigen Abstellraum doch noch ein paar Schraubnüsse und die zusätzliche Verlängerung, die passten.
Der Anlasser war flott ausgebaut und die verschlissenen Teile schnell gefunden. Doch wo bekommen wir nun die Ersatzteile her? In Ecuador gibt es zwar ähnliche Landcruiser Modelle, jedoch sind anscheinend alle Fahrzeuge 12V Benziner und keine 24V Diesel. Mir schoss die mehrmonatige Reparatur-Aktion in Mexiko durch den Kopf und mir wurde halb übel. Zusammen machten wir uns auf den Weg zur anderen Stadtseite von Latacunga, nachdem wir die kleinen Händler in der Umgebung erfolglos nach Ersatzteilen abgeklappert hatten. Und siehe da, bei einem speziellen Dieselhändler fanden wir die benötigten Teile, niegelnagelneu und passend.
Nach kurzer Zeit hatten wir den Anlasser wieder zusammengeschraubt und eingebaut. Unser Trudi schnurrt seitdem wieder wie ein Kater.
Es ist schon unglaublich, wievel Glück jeweils mit einem Problem verbunden ist. Immer, wenn wir ein defektes Fahrzeug haben, lernen wir so liebe und extrem hilfsbereite Leute kennen, die uns weiterhelfen können. Hätten wir Alberto nicht getroffen, wären wir wohl tagelang in einer Werkstatt und auf der Suche nach passenden Ersatzteilen gewesen. Und wir wollen uns gar nicht vorstellen was gewesen wäre, wenn das Problem im Chimborazo Nationalpark auf 4800m.ü.M aufgetreten wäre.
Alberto, muchas graçias por su ajuda. Nos gustaría regresar a Latacunga en unas semanas para comer en su restaurante. ¡Hasta luego!
Reaktionen
10:52 Uhr
Glück gehabt Leute!! Ja, es gibt immer nette Leute auf dem Weg:) Ich kann kaum glauben, dass ihr einen passenden Anlasser gefunden habt!! Ein bisschen Glück habt ihr auch verdiennt nach der Nummer in Lima:) Viel Spass weiterhin! Ein Jahr schon unterwegs… weiter so! Liebe Grüsse aus Haltern am See (wir haben momentan fast 40 Grad! Wahnsinn)
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