Yellowstone Nationalpark
11:20 Uhr
Vor rund 640'000 Jahren gab es im Yellowstone eine mächtige vulkanische Eruption. Der Krater, der durch diesen Ausbruch enstanden ist, kann man heute noch sehen. Dieser umfasst beinahe den ganzen Nationalpark. Die Erdkruste, die normalerweise einen Durchmesser von ungefähr 30-60km hat, ist im Yellowstone nicht mal 5km dick. Die darunter liegende Magmakammer ist rund 60km lang, 40km breit und 10km mächtig. Somit zählt der Yellowstone-Vulkan zur Gruppe der Supervulkane. Ob dieser jemals wieder hochgehen wird? Es gibt keinen Beweis dafür, dass eine katastrophale Eruption bevorsteht. Aber ein Park Ranger meinte, dass sie ihre Autos immer rückwärts parkieren und somit jederzeit abfahrbereit sind. Man wisse ja nie!
Im Jahre 1872 wurde der Yellowstone Nationalpark gegründet und ist somit der älteste Nationalpark auf der Welt. 1978 erklärte ihn die UNESCO zum Weltnaturerbe. Jährlich strömen über 3 Millionen Touristen in den Park, der für seine Vulkanlandschaft mit Geysiren, Schlammtöpfen und heissen Quellen berühmt ist. Da der Nationalpark Teil der Rocky Mountains ist, verbrachten wir unsere Zeit auf durchschnittlich 2500 m.ü.M. Wir erfuhren von einem Park Ranger, dass Schneefall Ende September ganz normal sei.
Reise zum Yellowstone
Der Wetterbericht interessierte uns nach der Koester - Farm noch gar nicht, denn im Okanagan Valley war es Mitte September noch sommerlich warm. In Penticton genossen wir Kanadas Klettermöglichkeiten nochmals in vollen Zügen. Die Skaha Bluffs sind einfach ein Eldorado für Kletterer, denn nach 4 Tagen Kletterferien sahen wir vielleicht 1/10 vom ganzen Gebiet. Doch die Grenze war immer im Hinterkopf und bereitete uns auch ein wenig Bauchweh, nach all den Geschichten, die wir von anderen Reisenden
gehört haben. So wollten wir die ganze Prozedur hinter uns bringen und stellten uns auf einige Wartestunden an der Grenze ein. Wir machten uns am Morgen früh auf den Weg nach Osoyoos, da wir dachten, dass die Zöllner am Morgen vielleicht noch fit und munter sein könnten. Genau so war's! Ein freundlicher Zöllner nahm sich sofort Zeit für uns und nach 20 min waren wir abgefertigt und in die USA eingereist. So einfach geht's auch ohne Visum!
Auch in den USA hatten wir keine Eile und so machten wir noch einen Abstecher in den Glacier Nationalpark, bevor wir dann den Wetterbericht einmal im Internet anschauten und sahen, dass es bald schneien wird. Ruck zuck packten wir alles zusammen und fuhren zum Yellowstone Nationalpark. Wir hatten Glück und konnten den wunderschönen Nationalpark während zwei Tagen bei noch traumhaften Wetter bestaunen, bevor dann Schnee auf dem Dach unseres Autos lag.
Geysire
Ein Geysir ist eine heisse Quelle, die in regelmässigen oder unregelmässigen Abständen in Wasserfontänen ausbricht. Mit über 300 enhält der Yellowstone Nationalpark am meisten Geysire weltweit. Bereits auf der Fahrt zum berühmten Old Faithful - Geysir roch es links und rechts zu allen Löchern raus. Park Ranger versuchen die Eruption einiger Geysire vorherzusagen und der einfachste, vorhersehbare Geysir ist der Old Faithful, weil er konstant in Intervallen von 60 -
90 min in einer riesigen Wasserfontäne ausbricht. Auf Bretterwegen erkundeten wir weitere Geysire und waren von den knalligen Farben und dem glasklaren Blau der einzelnen Pools einfach überwältigt. Wir fühlten uns wie auf einem anderen Planeten.
Die Geysire sind unterschiedlich heiss und viele Menschen haben sich schon schlimme Verbrennungen zugezogen und wenige starben in den heissen Quellen. Ein Mann wollte seinen Hund im brodelnden Wasser retten. Von einem Park Ranger erfuhren wir auch, wie früher die Geysire auf verschiedene Art und Weise missbraucht wurden. Die Geysire wurden oft als Waschmaschine verwendet und sobald eine Fontäne ausbrach, wurden die Kleider an Land gestreut. Das "Hook and Cook" wurde unter den Fischern so berühmt, dass die Zahl der Touristen extrem zunahm. Alle wollten den Fisch an Land ziehen und dann direkt im heissen Wasser von einem Geysir kochen lassen.
Tiere in der Wildnis
Neben den Geysiren ist der Yellowstone auch für seine Wildtiere, wie Büffel, Grizzlybären und Wölfe bekannt. Natürlich wollten wir am liebsten gleich alle drei sehen und so unternahmen wir eine Wanderung. Kurz danach, als wir abliefen, sahen wir drei Büffel, die sich neben den warmen Geysiren aufwärmten. Später, im Norden des Parks sahen wir ganze Büffelherden. Wölfe und Bären sahen wir leider keine. Von einem Ranger erfuhren wir
aber die interessanten Hintergründe von der Wiedereinführung der Wölfe in den Yellowstone. Die Wölfe wurden jahrelang gejagt, weil sie als schlecht galten und wurden so in ganz Yellowstone ausgerottet. Dadurch stieg die Wapiti-Population erheblich und das Ganze wurde aus dem Gleichgewicht gebracht. Deshalb kaufte die USA 14 Wölfe vom Nachbarland Kanada und siedelten diese erfolgreich im Yellowstone wieder ein. Seither vermehrte sich die Wolf-Population auf etwa 1500 Tiere und dem ensprechend sank die Zahl der Wapitis, weil die Wölfe die einzigen Tiere sind, die Wapitis im Rudel jagen. Ein erlegter Wapiti ist für die Wölfe zu viel Fleisch und somit bleibt ein grosser Resten für andere Tiere übrig. Durch die Einführung der Wölfe wurde das Ökosystem wieder ins Gleichgewicht gebracht.
Waldbrände
Während unseres Besuchs im Yellowstone waren mehrere Waldbrände aktiv. Beide Nord- Südverbindungen waren geschlossen, eine wegen des Waldbrandes und die andere wegen Bauarbeiten. Wir fragten uns, warum so wenig Helikopter und Feuerwehrmänner den Waldbrand bekämpften. Die Antwort erfuhren wir wieder bei einem Ranger, der uns erzählte, dass sie im Yellowstone Waldbrände, die hauptsächlich von Blitzen verursacht werden als völlig natürlich angeschaut werden. 1988 brannte fast ganz Yellowstone, das Feuer umfasste über 300'000 Hektaren. Trotz der grössten Anstrengungen der Feuerbekämpfung in der Geschichte der Nation, beendete das Wetter den riesigen Waldbrand durch Schneefall. Danach wurden die Auswirkungen des Walbrandes 1988 erforscht und studiert und seither setzte sich die Erkenntnis durch, dass Feuer die Vielfalt der Lebensräume unterstützt und als natürlicher Prozess angeschaut werden sollte.
Schnee und Kälte
Die Kälte und der Schnee hatten einen Vorteil, weniger Touristen. Ansonsten war der Wintereinbruch nicht so lustig. Als wir eines Morgens einen Eisblock von Trinkwasser hatten und gefrorenes Kondenswasser innerhalb des Autos abkratzen mussten, trieb uns der Winter dann definitiv Richtung Süden in wärmere Regionen.
Der Yellowstone Nationalpark wird uns in ganz besonderer Erinnerung bleiben, denn er war einfach speziell und ganz anders.
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